Die europäischen Aktienmärkte haben am Dienstag neue Rekordstände erreicht, während Anleger eine Reihe von Unternehmenszahlen auswerteten. Ein Teil der Gewinne ging jedoch wieder verloren, nachdem neue Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten veröffentlicht worden waren.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums blieb die Inflationsrate gemessen am Verbraucherpreisindex im Dezember bei 2,7 Prozent und damit auf dem gleichen Niveau wie im November. Dies geschieht trotz der drei Zinssenkungen, die die US-Notenbank im vergangenen Jahr vorgenommen hatte.
Die Federal Reserve verfolgt weiterhin das Ziel, die Inflation auf rund zwei Prozent zu senken. Marktbeobachter halten es dennoch für möglich, dass bei anhaltender Stabilisierung der Preise in den kommenden Sitzungen weitere Zinsschritte folgen könnten.
Der europäische Leitindex Stoxx Europe 600 legte im frühen Handel um 0,1 Prozent auf 611,86 Punkte zu, gab jedoch im weiteren Verlauf nach und notierte zum Zeitpunkt der Berichtserstellung bei 611,10 Punkten.
Der deutsche Leitindex DAX stieg um 0,36 Prozent und näherte sich damit dem elften Gewinntag in Folge. Sollte sich dieses Niveau halten, wäre dies die längste Aufwärtsserie seit dem Jahr 2014.
Für Bewegung bei einzelnen Aktien sorgten vor allem Unternehmensnachrichten. Die Anteilsscheine des dänischen Offshore-Windkraftunternehmens Ørsted sprangen um 5,37 Prozent nach oben, nachdem ein US-Bundesrichter dem Konzern erlaubt hatte, ein zuvor gestopptes Projekt im Bundesstaat Rhode Island wieder aufzunehmen.
Im Bankensektor blieb die Aktie der Schweizer Großbank UBS weitgehend unverändert. Hintergrund ist ein Bericht der „Financial Times“, wonach Konzernchef Sergio Ermotti, der die Übernahme der Credit Suisse verantwortet hatte, seinen Posten im April 2027 abgeben will.
Trotz der jüngsten Rekorde mehren sich jedoch die Warnsignale. Bloomberg berichtete, dass mehrere Indikatoren darauf hindeuten, dass die Rally an den europäischen Börsen ihren Höhepunkt erreichen könnte. Der starke Lauf des Stoxx 600 aus dem vergangenen Jahr habe sich zwar bis in den Januar hinein fortgesetzt, doch das Tempo könne kaum beibehalten werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem 14-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI), der zuletzt die Marke von 80 überschritten hat – ein Wert, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur selten erreicht wurde. Technische Analysten werten dies als Zeichen für eine mögliche Überhitzung des Marktes.
Thomas Zlowodzki, Chefstratege für Aktien bei ODDO BHF, warnte entsprechend: „Bei diesem Ausmaß an Überkauftheit bleibt das Risiko einer Korrektur bestehen. Die europäischen Märkte können nicht dauerhaft in diesem Tempo weiter steigen.“
Seit Jahresbeginn hat der Stoxx Europe 600 um 2,95 Prozent zugelegt, nachdem er im Jahr 2025 bereits einen Zuwachs von 17 Prozent verzeichnet hatte. Damit entwickelte sich der Index zuletzt besser als der US-Leitindex S&P 500, der im gleichen Zeitraum lediglich um 1,9 Prozent stieg.
Analysten führen diese Entwicklung auch auf eine Umschichtung von Kapital zurück. Seitdem Zweifel an der sogenannten „amerikanischen Ausnahmestellung“ aufgekommen sind, investieren viele Anleger verstärkt außerhalb der USA.
Europa profitiert dabei von vergleichsweise niedrigen Zinsen sowie von umfangreichen Investitionsprogrammen in Infrastruktur und Verteidigung, die insbesondere von Deutschland vorangetrieben werden.
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Schweres Rohöl aus Venezuela,
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