Neue vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen eine deutliche Verschärfung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Demnach ist die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen im Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,2 Prozent gestiegen. Grundlage der Erhebung sind die bei den Amtsgerichten eingegangenen Anträge.
Damit beschleunigte sich der Anstieg erheblich, nachdem im November noch ein Plus von 5,7 Prozent im Jahresvergleich registriert worden war. Das Statistikamt wies zugleich darauf hin, dass es sich um vorläufige Zahlen handelt, da die endgültigen gerichtlichen Entscheidungen in der Regel erst rund drei Monate nach Antragstellung erfolgen.
Wirtschaftsforscher sehen in den aktuellen Daten ein Warnsignal. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) schätzt, dass die Zahl der Firmenpleiten im Gesamtjahr 2025 auf rund 17.604 Fälle gestiegen ist – der höchste Stand seit etwa 20 Jahren. Während der globalen Finanzkrise 2009 war die Zahl der Insolvenzen laut Institut sogar um rund fünf Prozent zurückgegangen.
Auch aus der Wirtschaft selbst kommen mahnende Worte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte bereits zuvor vor einer anhaltend schwierigen Konjunkturentwicklung in Deutschlands größter Volkswirtschaft gewarnt. DIHK-Präsident Peter Adrian erklärte, ohne tiefgreifende Strukturreformen und konsequente wirtschaftspolitische Weichenstellungen werde es kaum gelingen, zu nachhaltigem Wachstum zurückzukehren.
Adrian betonte zugleich, dass der finanzielle Handlungsspielraum der Bundesregierung zunehmend schrumpfe. Umso wichtiger sei es, jetzt klare Signale für Investitionen und Wachstum zu setzen, um einen weiteren internationalen Wettbewerbsrückstand zu vermeiden.
Parallel dazu rückt auch der Finanzsektor verstärkt in den Fokus der Kritik. Der World Wide Fund for Nature (WWF) kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Schluss, dass deutsche Banken beim Klima- und Umweltschutz weiterhin deutlich hinterherhinken. In einem Ranking von 15 Finanzinstituten, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und ING, bemängelt die Umweltorganisation vor allem Defizite bei der Umsetzung nachhaltiger Strategien.
„Mit jeder Kreditvergabe entscheiden Banken darüber, ob sie eine nachhaltige Wirtschaft der Zukunft oder die nächste Krise finanzieren“, erklärte David Kniewald, Experte für Sustainable Finance beim WWF Deutschland. Zwar gebe es Fortschritte bei Klimazielen und nachhaltigen Anlageprodukten, doch insbesondere im Kredit- und Investitionsgeschäft bestehe weiterhin erheblicher Nachholbedarf.
Laut WWF erreichte lediglich die ING im Rahmen der gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Deloitte erstellten Untersuchung die Kategorie „Vorreiter“. Kein einziges deutsches Geldhaus wurde als „visionär“ eingestuft. Mehrere Institute landeten lediglich im Mittelfeld, während einzelne Banken das Schlusslicht des Rankings bildeten.
Gleichzeitig erhöhen auch die europäischen Aufsichtsbehörden den Druck. Seit Sonntag gelten neue Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde, die Kreditinstitute verpflichten, Nachhaltigkeitsrisiken systematisch in ihr Risikomanagement einzubeziehen. Experten sehen darin einen weiteren Schritt, um Klima- und Umweltrisiken stärker im Finanzsystem zu verankern.
Weitere Hintergründe zur wirtschaftlichen Entwicklung finden Sie unter
DAX und Wirtschaftsausblick 2026,
Deutschlands Rohstoffstrategie
und
Entwicklung auf den Energiemärkten.



