Adamuz (Spanien) – Das schwere Zugunglück in der andalusischen Gemeinde Adamuz hat weit über Spanien hinaus Bestürzung ausgelöst. Der Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge forderte zahlreiche Menschenleben und wirft weiterhin viele offene Fragen auf. Auch deutsche Staatsangehörige könnten unter den Opfern sein.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin müsse man davon ausgehen, dass sich Deutsche unter den Betroffenen befinden. Genaue Zahlen seien jedoch derzeit nicht verfügbar. Die deutsche Botschaft in Madrid sowie das Konsulat in Málaga stehen in engem Kontakt mit den spanischen Behörden, um die Identitäten der Opfer zu klären.

Besonders rätselhaft ist der technische Hintergrund des Unglücks. Der entgleiste Iryo-Zug war noch keine vier Jahre alt, die betroffene Strecke war erst im Frühjahr umfassend modernisiert worden. Rund 700 Millionen Euro hatte der staatliche Infrastrukturbetreiber Adif in den Ausbau investiert.

Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einem „außergewöhnlich seltsamen Unfall“, der sich bislang kaum erklären lasse. Weder ein klarer technischer Defekt noch offensichtliche Mängel an den Gleisanlagen seien bisher bestätigt.

Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte mit einer dreitägigen Staatstrauer und kündigte bei einem Besuch nahe der Unglücksstelle eine lückenlose Aufklärung an. Die Bevölkerung habe ein Recht auf „absolute Transparenz“, betonte Sánchez.

Eine unabhängige Untersuchungskommission soll nun klären, ob menschliches Versagen, ein Problem am Rollmaterial oder ein sicherheitsrelevanter Fehler im Bahnsystem zu dem Zusammenstoß geführt haben könnte. Offizielle Stellen warnten jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen.

In der Nacht nach dem Unfall waren zahlreiche Rettungskräfte im Dauereinsatz. Die Bergung der Opfer gestaltete sich besonders schwierig, da mehrere Waggons schwer beschädigt und teilweise ineinander verkeilt waren. Viele Verletzte mussten unter schwierigen Bedingungen aus den Zügen befreit werden.

Nach Behördenangaben kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, mehr als 170 weitere wurden verletzt. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien bleibt bis auf Weiteres vollständig eingestellt.

Während für Reisende erhebliche Einschränkungen bestehen, beginnt für die Angehörigen der Opfer nun eine Zeit des Wartens – auf Antworten, Verantwortung und Konsequenzen.

Mehr zum Thema: Weitere Berichte über schwere Unglücke und aktuelle Ermittlungen finden Sie in unseren Analysen zu einem tödlichen Vorfall in einem Pflegeheim in Chemnitz-Bernsdorf, zu einem schweren Verkehrsunfall in Nümbrecht sowie zu einem weiteren tödlichen Unfall auf der B459 bei Dietzenbach.

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