Südyemen: Übergangsrat löst sich auf – politischer Wendepunkt

Riad/Aden – In einer überraschenden Entscheidung hat der Generalsekretär des Südjemenitischen Übergangsrates (STC), Abdulrahman Al-Subaihi, am Freitag die Auflösung des Rates sowie aller seiner politischen und militärischen Strukturen bekannt gegeben. Auch sämtliche Büros im In- und Ausland wurden geschlossen.

Saudi-Arabien übernimmt politische Schirmherrschaft

Die Entscheidung fiel während einer Sitzung der Ratsführung in der saudischen Hauptstadt Riad. Al-Subaihi erklärte, Ziel sei es, „die legitimen Interessen des Südens durch einen umfassenden südlichen Dialog unter saudischer Schirmherrschaft neu zu ordnen“.

Saudi-Arabien hatte Anfang Januar offiziell alle südjemenitischen Akteure zu einem breit angelegten Dialog eingeladen, um eine politische Lösung für die eskalierende Krise im Süden des Landes zu erarbeiten.

„Der Rat erfüllt seinen Zweck nicht mehr“

In einer im jemenitischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Ansprache sagte Al-Subaihi, die Fortexistenz des Übergangsrates diene unter den aktuellen Umständen nicht mehr dem ursprünglichen Ziel. Der STC sei gegründet worden, um die Interessen der südlichen Bevölkerung zu vertreten – nicht, um Machtmonopole oder Ausschlüsse zu schaffen.

Militärische Eskalation als Wendepunkt

Beobachter sehen die militärische Offensive des STC in den Provinzen Hadramaut und Al-Mahra im Dezember 2025 als entscheidenden Wendepunkt. Trotz regionaler und internationaler Warnungen hatte der Rat seine Truppen in den Osten des Landes entsandt.

Dies führte zu schweren Zusammenstößen mit Regierungskräften und dem von Saudi-Arabien unterstützten Militärverband „Dir‘ al-Watan“, der schließlich die vollständige Kontrolle über die betroffenen Provinzen zurückerlangte.

Bruch mit der Koalition

Ein weiterer Einschnitt erfolgte Ende Dezember, als Saudi-Arabien eine Waffenlieferung der Vereinigten Arabischen Emirate an den STC im Hafen von Al-Mukalla bombardierte. Kurz darauf erklärte der jemenitische Präsidialrat den Ausnahmezustand und kündigte Verteidigungsabkommen mit Abu Dhabi.

Politischer Absturz des STC

Nachdem STC-Chef Aidarous Al-Zubaidi einen einseitigen „Übergangsplan“ für einen südjemenitischen Staat verkündet hatte, wurde er vom Präsidialrat abgesetzt und wegen Hochverrats an die Justiz verwiesen. Er setzte sich anschließend in die Emirate ab.

Neue Phase für den Süden?

Mit der vollständigen Auflösung des Übergangsrates beginnt im Süden Jemens eine neue politische Phase. Saudi-Arabien positioniert sich dabei als zentraler Vermittler mit dem Ziel, Fragmentierung und weitere Eskalationen zu verhindern.

Ob der geplante südjemenitische Dialog zu einer stabilen politischen Ordnung führen kann, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der bisher mächtigste separatistische Akteur hat seine Rolle verloren.


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Analyse | Internationale Agenturen

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