Vierschanzentournee-Auftakt: Hoffmann profitiert – Podium trotz Rückschlag
Oberstdorf. Der Auftakt der 74. Vierschanzentournee brachte für das deutsche Skisprungteam ein Wechselbad der Gefühle. Während Felix Hoffmann zunächst knapp am Podium vorbeischrammte, durfte der 28-Jährige wenig später doch noch jubeln – dank einer nachträglichen Disqualifikation des Slowenen Timi Zajc.
Materialkontrolle verändert das Klassement
Rund 20 Minuten nach Wettkampfende folgte die entscheidende Wendung: Bei der Materialkontrolle wurde festgestellt, dass der Sprunganzug von Timi Zajc nicht regelkonform war. Der Anzug war um lediglich drei Millimeter zu lang – ein Detail mit großen Folgen. Der Slowene verlor seinen zweiten Platz, Felix Hoffmann rückte von Rang vier auf den dritten Platz vor.
Damit feierte Hoffmann nicht nur seinen ersten Podestplatz bei der Vierschanzentournee, sondern auch einen vorläufigen Karriere-Höhepunkt – ausgerechnet vor heimischem Publikum in der ausverkauften Oberstdorfer Arena.
Starke Sprünge, knapper Rückstand
Mit Weiten von 132,5 und 136 Metern zeigte Hoffmann eine konstante Leistung. Der Rückstand auf den überragenden Sieger Domen Prevc betrug umgerechnet dennoch fast elf Meter. „Bis auf Domen ist alles extrem eng beieinander“, erklärte Hoffmann im ARD-Interview und zeigte sich zufrieden mit seinen Sprüngen – zu diesem Zeitpunkt noch in dem Glauben, Vierter geworden zu sein.
Auch Philipp Raimund wusste zu überzeugen. Mit Sprüngen auf 136 und 133 Meter verbesserte sich der 23-Jährige nach der Disqualifikation von Rang sechs auf Platz fünf und bestätigte seine starke Form.
Prevc dominiert – Tschofenig Zweiter
Der Sieg ging erwartungsgemäß an Topfavorit Domen Prevc. Der Slowene flog mit 141,5 und 140 Metern in einer eigenen Liga und baute damit auch seine Führung im Gesamtweltcup weiter aus.
Hinter ihm belegte Titelverteidiger Daniel Tschofenig aus Österreich den zweiten Platz. Zajc, ursprünglich punktgleich mit Tschofenig, wurde aus der Wertung genommen.
Deutsches Team mit ernüchterndem Gesamtbild
Trotz des Podiumsplatzes bleibt die Bilanz aus deutscher Sicht ernüchternd. Olympiasieger Andreas Wellinger schied bereits nach dem ersten Durchgang aus und belegte lediglich Rang 49. Auch Pius Paschke verpasste die Top 30 deutlich.
Besonders bitter: Lokalmatador Karl Geiger scheiterte schon in der Qualifikation und verpasste den Wettkampf auf seiner Heimschanze komplett. Damit erreichten nur zwei deutsche Springer den zweiten Durchgang – ein klares Warnsignal.
Analyse: Lichtblick Hoffmann – aber strukturelle Probleme
Der Podestplatz von Hoffmann kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das deutsche Team derzeit weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückliegt. Während einzelne Athleten mithalten können, fehlt es in der Breite an Konstanz und Stabilität.
Bundestrainer Stefan Horngacher steht vor der Herausforderung, kurzfristig Lösungen zu finden – denn die Tournee ist bekanntlich gnadenlos.
Blick nach vorn: Garmisch-Partenkirchen wartet
Nach einem Ruhetag geht es für die Springer an Silvester mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen weiter. Der Wettkampf steigt am 1. Januar und wird live im ZDF sowie bei Eurosport übertragen.
Für Hoffmann bietet sich nun die Chance, seinen überraschenden Podestplatz zu bestätigen – für den Rest des Teams geht es darum, überhaupt wieder konkurrenzfähig zu werden.
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