Winter-Comeback möglich: Polarwirbel sorgt für neue Unsicherheit

Während in weiten Teilen Deutschlands langsam Tauwetter einsetzt und sich der wochenlange Frost allmählich zurückzieht, stellt sich eine zentrale Frage: War es das mit dem Winter 2026? Meteorologische Analysen deuten darauf hin, dass ein endgültiger Abschied von Schnee und Eis verfrüht sein könnte. Der Grund liegt nicht am Boden, sondern hoch oben in der Stratosphäre – beim sogenannten Polarwirbel.

Instabilität über der Arktis

Der Polarwirbel ist ein großräumiges Tiefdrucksystem in rund 30 Kilometern Höhe über der Arktis. Er bildet sich jeden Herbst und stabilisiert sich normalerweise im Winter. Solange dieses Windsystem kräftig und geschlossen rotiert, bleibt die extrem kalte Polarluft weitgehend über dem Norden eingeschlossen.

Doch in diesem Winter zeigt sich ein anderes Bild: Der Wirbel gerät wiederholt aus dem Gleichgewicht. Warmluft dringt in die Arktis vor, schwächt die Zirkulation und destabilisiert das System. In der Folge kann sich Kaltluft deutlich weiter nach Süden ausbreiten – mit möglichen Auswirkungen auf Europa und Nordamerika.

Verzögerte Wirkung am Boden

Veränderungen in der Stratosphäre wirken sich nicht sofort auf das Wetter am Boden aus. Zwischen einer Erwärmung in großer Höhe und einer spürbaren Reaktion in der Troposphäre vergehen meist ein bis drei Wochen. Diese zeitliche Verzögerung erschwert präzise Vorhersagen.

Ob die Kaltluft letztlich Mitteleuropa erreicht oder eher Nordamerika trifft, hängt von großräumigen Strömungsmustern ab. Genau hier liegt die Unsicherheit der aktuellen Modelle.

Polarwirbel-Split – selten, aber folgenreich

In besonders dynamischen Jahren kann sich der Polarwirbel aufspalten. Ein solcher „Split“ führt dazu, dass zwei kleinere Tiefdruckzentren entstehen. Historisch betrachtet traten solche Ereignisse alle ein bis sechs Jahre auf – oft mit markanten Kälteperioden im Spätwinter oder Frühjahr.

Ein vollständiger Zerfall des Wirbels ist aktuell zwar nicht bestätigt, doch Modelle deuten auf eine deutliche Abschwächung hin. Bereits Mitte Februar könnte eine plötzliche Stratosphärenerwärmung einsetzen – ein Ereignis, das die polare Zirkulation massiv stört.

Wettermodelle schlagen Alarm

Internationale Prognosedaten zeigen, dass sich in der zweiten Februarhälfte ein instabiles Muster entwickeln könnte. Während Teile der USA zunächst ungewöhnlich milde Temperaturen erleben dürften, steigt im Anschluss die Wahrscheinlichkeit erneuter Kaltlufteinbrüche.

Auch für Europa bleibt das Risiko erhöht. Besonders im Osten und Süden Deutschlands könnten laut Modellrechnungen Frost und Schneefall bis in den März hinein möglich sein.

Planetarische Wellen als Auslöser

Eine wichtige Rolle spielen sogenannte planetarische Wellen – großräumige Luftströmungen in der Troposphäre. Sie können in die Stratosphäre aufsteigen und den Polarwirbel zusätzlich schwächen. Hinzu kommen Veränderungen in der tropischen Windzirkulation sowie das Klimaphänomen La Niña.

Mehrere Faktoren gleichzeitig erhöhen statistisch die Wahrscheinlichkeit für eine Störung des Polarwirbels erheblich.

Klimawandel als Verstärker?

Klimaforschende diskutieren, ob die Erderwärmung die Dynamik des Polarwirbels verändert. Während die durchschnittlichen Wintertemperaturen steigen, scheinen einzelne Kälteepisoden intensiver aufzutreten.

Eine wärmere Arktis verändert Druckverhältnisse und Strömungsmuster – mit potenziell instabileren Wetterlagen in Europa.

Historische Märzwinter in Deutschland

Späte Wintereinbrüche sind keine Ausnahme. Besonders markant war der März 2013 nach einem Polarwirbelsplit. Auch 1996, 2005 und 2018 brachten kräftige Schneefälle und zweistellige Minusgrade.

Solche Ereignisse sind selten, aber keineswegs ausgeschlossen – insbesondere bei einem geschwächten Polarwirbel.

Blockierte Wetterlagen möglich

Ein instabiler Polarwirbel begünstigt sogenannte Blockadelagen. Dabei dominieren Hochdruckgebiete eine Region, während atlantische Westwinde seltener durchgreifen. Für Mitteleuropa bedeutet das im Winter oft trockenes, kaltes Wetter aus östlichen Richtungen.

Schneedecken in Nord- und Osteuropa speichern zusätzlich Kälte, die bei entsprechender Strömung wieder nach Mitteleuropa transportiert werden kann.

Fazit: Der Winter bleibt unberechenbar

Der Winter 2026 ist meteorologisch noch nicht entschieden. Die Instabilität des Polarwirbels erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Kaltluftvorstöße – möglicherweise bis in den März hinein. Ob daraus ein ausgeprägter Märzwinter entsteht oder nur kurze Frostphasen folgen, hängt von komplexen atmosphärischen Prozessen ab.

Eines aber ist sicher: Das Wetter bleibt spannend. Zwischen Tauwetter und möglichem Spätfrost steht Mitteleuropa vor Wochen voller Dynamik.


Weiterführende Analysen:

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein