Gefährdet Trump Deutschlands Goldreserven in den USA?

Die Frage, ob US-Präsident Donald Trump theoretisch auf Deutschlands Goldreserven zugreifen könnte, sorgt derzeit in Finanz- und Politikerkreisen für Diskussionen. Rund ein Drittel der deutschen Goldbestände, die einen Wert von etwa 160 Milliarden Dollar ausmachen, lagern in den Tresoren der Federal Reserve in New York. Die Bundesbank, Eigentümerin dieser Reserven, nutzt das Edelmetall zur Sicherung der Währungsstabilität, während das Parlament, der Bundestag, über den langfristigen Verbleib der Reserven mitbestimmen kann.

Die Aufbewahrung großer Goldmengen außerhalb Deutschlands hat historische Gründe. Während der Bretton-Woods-Ära ab 1944 wurde ein globales Währungssystem etabliert, in dem der Dollar als Leitwährung diente. Deutschland trat 1952 diesem System bei und deponierte seine Überschüsse aus Exportdollarbeständen in US-Banken. Außerdem spielten Sicherheitsüberlegungen während des Kalten Krieges eine entscheidende Rolle, um die Reserven weit entfernt vom damaligen Ostblock aufzubewahren.

Insgesamt lagern in New York etwa 1.236 Tonnen deutscher Goldreserven, während 13 Prozent in der Bank of England in London und die übrigen 50 Prozent in der Bundesbank in Frankfurt aufbewahrt werden. Die New Yorker Tresore gelten als die größten Goldlager weltweit.

Risiken und historische Präzedenzfälle

Die Lagerung im Ausland birgt jedoch Risiken. Ein bekanntes Beispiel ist Venezuela, wo 2018 die Bank of England der Regierung den Zugriff auf in London gelagerte Goldreserven verweigerte, aufgrund internationaler Sanktionen gegen Präsident Maduro. Erst nach politischen Veränderungen und Anerkennung von Oppositionsführern konnten die Rechte an den Reserven wieder diskutiert werden. Dies zeigt, dass geopolitische Spannungen direkten Einfluss auf den Zugriff auf Gold haben können.

In Bezug auf die deutschen Reserven äußern Experten unterschiedliche Ansichten. Stefan Riese, Kapitalmarktstratege bei ACATIS, erklärt: „Theoretisch könnte Trump argumentieren, Deutschland müsse mehr für die Verteidigung zahlen, und Gold als Druckmittel sehen.“ Achim Wambach vom ZEW betont, dass die USA derzeit nicht als völlig verlässlicher Partner für die EU gelten, was eine Neubewertung der Sicherheitslage rechtfertige.

Demgegenüber halten Vertreter der Bundesbank wie Johannes Berman und Präsident Joachim Nagel eine Gefährdung der deutschen Goldreserven in den USA für unwahrscheinlich. Nagel sagt dazu: „Ich zweifle nicht daran, dass unser Gold sicher bei der Federal Reserve in New York gelagert ist.“

Rückführung deutscher Goldreserven

Die Bundesbank hat bereits Erfahrung mit der Rückführung von Gold aus dem Ausland. Zwischen 2013 und 2017 wurden etwa 300 Tonnen Gold aus New York und 374 Tonnen aus Frankreich nach Frankfurt transportiert, um die Lagerung in Deutschland zu erhöhen. Andere Länder wie die Niederlande, Österreich, Belgien, Ungarn und Polen haben ebenfalls in den letzten Jahren Gold aus den USA zurückgeführt, um im Krisenfall schnell auf ihre Reserven zugreifen zu können.

Die strategische Bedeutung von Gold als Liquiditätsreserve zeigt sich auch daran, dass Staaten wie Russland, Türkei, Usbekistan und Kasachstan Teile ihrer Reserven verkaufen oder nutzen, um Haushaltsdefizite auszugleichen oder die nationale Wirtschaft zu stabilisieren.

Politische und wirtschaftliche Implikationen

Die Diskussion über die Sicherheit deutscher Goldreserven fällt in eine Phase erhöhter geopolitischer Spannungen zwischen den USA und Europa. Trumps „America First“-Politik, seine Zölle und die einseitigen Entscheidungen in internationalen Krisen führen zu wachsendem Misstrauen bei europäischen Entscheidungsträgern. Die Bundesbank und deutsche Politiker diskutieren daher über die Unabhängigkeit der Goldreserven und die Notwendigkeit einer stärkeren Eigenverantwortung Europas in sicherheits- und wirtschaftspolitischen Fragen.

Experten warnen auch vor der politischen Instrumentalisierung von Gold. In Italien fordert die Regierungspartei „Fratelli d’Italia“ beispielsweise, Gold als öffentliches Eigentum zu betrachten, um sicherzustellen, dass Regierungen es nicht für kurzfristige Budgetzwecke verwenden. Dies könnte das Vertrauen internationaler Investoren beeinflussen, sollte eine politische Nutzung der Reserven überhandnehmen.

Fazit

Obwohl theoretisch Diskussionen über den Zugriff der USA auf deutsche Goldreserven geführt werden, sind die praktischen Risiken derzeit gering. Historische Beispiele zeigen jedoch, dass die physische Nähe der Reserven zu politischen Partnern von Bedeutung sein kann. Die Bundesbank setzt weiterhin auf eine Mischung aus inländischer und ausländischer Lagerung, um sowohl Sicherheit als auch Flexibilität zu gewährleisten. Dennoch bleibt das Thema geopolitischer Einfluss und die mögliche Nutzung von Gold als Druckmittel ein sensibles Thema für die deutsche Finanzpolitik.

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