Die deutsche Autoindustrie zwischen Tradition und Transformation
Die Erfindung des Automobils veränderte die Welt und erleichterte die Mobilität der Menschen erheblich. Gleichzeitig legte sie den Grundstein für eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaft. Doch heute droht das „Juwel“ der deutschen Industrie, seinen Glanz zu verlieren.
Historische Meilensteine
Am 29. Januar 1886 meldete der Deutsche Carl Benz das Patent für ein „Fahrzeug mit Verbrennungsmotor“ unter der Nummer 37435 beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin an. Dieses Ereignis katapultierte Deutschland an die Spitze der Industrienationen und schuf Hunderttausende Arbeitsplätze mit guten Löhnen. Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche und Volkswagen stehen weltweit für Präzisionsingenieurskunst und höchste Qualität.

Aktuelle Herausforderungen
Heute wirkt die deutsche Autoindustrie, als hätte jemand tief in die Karosserie gekratzt: Gewinne sind deutlich gesunken, Unternehmen reagieren mit Sparprogrammen, während die Elektromobilität, Softwareentwicklung, zunehmender Wettbewerb und technologische Rückstände den Druck erhöhen.
Der Automobil-Experte und Dozent an der Business School Köln, Frank Schwobe, betont: „Es gibt erhebliche Probleme, aber keine Krise. Solange die Unternehmen Gewinne ausschütten, handelt es sich nicht um eine existenzielle Krise.“ Gleichzeitig sei es wichtig, die Profitabilität wieder zu steigern.
Auswirkungen auf Zulieferer
Die Transformation zur Elektromobilität trifft insbesondere Zulieferer hart. Viele der hergestellten Komponenten werden nicht mehr benötigt, was zu Kostendruck führt, den die Automobilhersteller an ihre Zulieferer weitergeben.
Finanzielle Lage 2024/2025
- Mercedes: 10,4 Mrd. Euro Gewinn
- BMW: 7,7 Mrd. Euro Gewinn
- Volkswagen-Gruppe: über 12 Mrd. Euro Gewinn
Auch wenn die Gewinne 2025 leicht zurückgingen, bleiben sie auf Milliardenhöhe. Während der Corona-Pandemie erzielten die Hersteller außergewöhnliche Gewinne, besonders durch die Produktion hochpreisiger Fahrzeuge mit hohen Margen.
Beschäftigung und Strukturwandel
Ende Q3 2025 sank die Beschäftigtenzahl in der deutschen Autoindustrie auf 721.400, ein Rückgang von 48.700 im Vergleich zu 2024 – der niedrigste Stand seit 2011. Experten wie Schwobe gehen davon aus, dass VW, Mercedes-Benz und BMW weiterhin bestehen bleiben, jedoch ihre Strategien anpassen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Vom Verbrennungsmotor zur Batterie
Die deutsche Vorherrschaft wird sich verringern, da Elektroantriebe die bisherige Wettbewerbsvorteile der Verbrennungsmotoren eliminieren. Die Herausforderung liegt künftig in der Produktion leistungsstarker Batterien, während Motoren künftig universell gefertigt werden können.
Stefan Reindl, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, erklärt: „Deutschland bleibt führend in Entwicklung, Premiumproduktion und komplexer Systemintegration. Standardfertigung wird international verteilt – ein Zeichen der Globalisierung, kein Rückgang.“
Europäische Klimavorgaben und Folgen
Die EU plant die Aufhebung des Verbrennerverbots ab 2035, als Reaktion auf Druck europäischer Automobilhersteller. Statt vollständiger CO₂-Reduktion werden Ausnahmen mit 90% Reduktion eingeführt. Chinesische Wettbewerber und deren staatliche Unterstützung erhöhen den Druck auf die europäischen Hersteller zusätzlich, insbesondere bei Batterien.
Weitere Informationen und Quellen:
Rundum News – US-Zölle und deutsche Autoindustrie,
Rundum News – Volkswagen Konzernumbau,
Rundum News – Förderung E-Autos in Deutschland


