Meterhohe Eisformationen auf der Elbe: Winterextrem nahe Hamburg legt Schifffahrt lahm

Geesthacht – Ein außergewöhnliches Winterphänomen sorgt derzeit für Aufsehen an der Elbe südöstlich von Hamburg. Gewaltige Eismassen haben sich im Bereich des Stauwehrs von Geesthacht aufgetürmt und den Schiffsverkehr vollständig zum Erliegen gebracht. Die Szenerie erinnert eher an arktische Regionen als an Norddeutschland – und zieht täglich zahlreiche Schaulustige an.

Eisberge aus dem Flussbett: seltenes Zusammenspiel aus Frost und Niedrigwasser

Auslöser der spektakulären Eislandschaft ist eine Kombination aus anhaltendem Dauerfrost und extremem Niedrigwasser. Bei Temperaturen von teils unter minus zehn Grad bildete sich sogenanntes Grundeis direkt am Flussboden. Dieses Eis löste sich später, stieg auf und verkeilte sich an der Oberfläche der Elbe.

Durch die kontinuierliche Bewegung der Strömung und den Einsatz der Eisbrecher entstanden meterhohe Eisblöcke, die sich stromaufwärts aufstauten und stromabwärts teilweise an den Ufern strandeten. An einigen Stellen ragen die Eisformationen mehr als zehn Meter in die Höhe.

Zehn Eisbrecher im Dauereinsatz – so viele wie seit Jahren nicht mehr

Um die Situation unter Kontrolle zu halten, sind derzeit bis zu zehn Eisbrecher auf der Elbe im Einsatz – eine Zahl, die zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt erreicht wurde. Zu den eingesetzten Schiffen zählen besonders leistungsstarke Einheiten mit mehreren hundert PS, die sich gezielt auf die Eisbarrieren setzen, um diese zu zerkleinern.

Die Arbeit der Besatzungen erfolgt rund um die Uhr. Ziel ist es, die Fahrrinne freizuhalten und zu verhindern, dass sich das Eis weiter verdichtet. Dennoch bleibt ein zentraler Abschnitt der Elbe vorerst gesperrt, da die Bedingungen für die Schifffahrt als zu gefährlich gelten.

Niedrigwasser erschwert den Einsatz erheblich

Zusätzliche Probleme bereitet der ungewöhnlich niedrige Wasserstand. Die Eisbrecher können nur bei ausreichendem Pegelstand sicher manövrieren. Sinkt das Wasser weiter ab, besteht die Gefahr, dass die Schiffe mit ihrem Tiefgang den Grund berühren.

Experten weisen darauf hin, dass für einen reibungslosen Eisabfluss deutlich größere Wassermengen erforderlich wären. Derzeit liegt der Durchfluss jedoch deutlich unter dem notwendigen Niveau, was die Lage weiter verschärft.

Schaulustige sorgen für zusätzliche Risiken

Die bizarre Winterkulisse lockt täglich zahlreiche Besucher an. Spaziergänger und Familien bewegen sich teils direkt auf den Eisflächen oder zwischen den Eisbergen, die an Land geschoben wurden. Behörden warnen eindringlich vor den Gefahren: Eisflächen können jederzeit brechen, außerdem besteht Verletzungsgefahr durch abrutschende Eisblöcke.

Auch der Straßenverkehr ist betroffen. Auf nahegelegenen Brücken kommt es immer wieder zu Staus, da Autofahrer abbremsen oder anhalten, um das Naturschauspiel zu fotografieren oder zu filmen.

Angst vor neuer Kältewelle wächst

Mit Blick auf die kommenden Tage wächst die Sorge vor einer erneuten Frostperiode. Sollte die Kälte anhalten oder sich verschärfen, könnte sich die Eisproblematik weiter ausdehnen. Fachleute rechnen damit, dass sich dann noch größere Eisbarrieren bilden könnten.

Die zuständigen Behörden beobachten die Lage daher kontinuierlich. Ziel bleibt es, Schäden an Infrastruktur und Umwelt zu vermeiden und gleichzeitig die Sicherheit von Anwohnern und Besuchern zu gewährleisten.

Ein Naturschauspiel mit ernstem Hintergrund

So beeindruckend die Eisberge auf der Elbe auch wirken mögen – sie sind Ausdruck extremer Wetterbedingungen und stellen eine erhebliche Herausforderung für Schifffahrt, Einsatzkräfte und Kommunen dar. Wie lange das Eischaos anhält, hängt maßgeblich von Wetterentwicklung und Wasserstand ab.

Bis dahin bleibt die Elbe bei Geesthacht ein Ort, an dem Naturgewalt und menschliche Technik in einem ungewöhnlichen Winterkampf aufeinandertreffen.

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