Steinmeier attackiert Trumps Außenpolitik und warnt vor „Räuberweltordnung“
Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in ungewöhnlich scharfer Form die Außenpolitik der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump kritisiert. In einer Grundsatzrede warnte er davor, dass die internationale Ordnung ihre moralischen Fundamente verliere und sich zu einer Welt entwickle, in der Macht über Recht stehe.
„Die Welt darf kein Räubernest werden“
Steinmeier mahnte eindringlich, die internationale Gemeinschaft dürfe nicht zulassen, dass sich das globale System in ein „Räubernest“ verwandle – einen Ort, an dem skrupellose Akteure nehmen, was sie wollen, ohne Rücksicht auf Recht, Verantwortung oder internationale Regeln.
Diese Worte gelten als eine der deutlichsten öffentlichen Abrechnungen eines deutschen Staatsoberhauptes mit der US-Außenpolitik der vergangenen Jahre. Beobachter werten sie als indirekte, aber klar erkennbare Kritik an militärischen Interventionen, Machtprojektionen und geopolitischen Alleingängen.
Trump, Venezuela und die Grenzen der Macht
Zeitlich fielen Steinmeiers Aussagen mit einem Interview Trumps zusammen, in dem dieser erklärte, die USA könnten Venezuela über Jahre hinweg kontrollieren. Der ehemalige US-Präsident ließ offen, ob Washington seine Präsenz in Caracas für Monate, Jahre oder auf unbestimmte Zeit aufrechterhalten wolle.
Für Steinmeier sind solche Aussagen Ausdruck einer gefährlichen Denkweise, die Staaten nicht mehr als souveräne Akteure betrachtet, sondern als Verfügungsmasse geopolitischer Interessen.
Demokratie unter globalem Beschuss
Der Bundespräsident betonte, dass die Demokratie weltweit so stark unter Druck stehe wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nicht nur autoritäre Staaten, sondern auch demokratische Partner würden zunehmend Prinzipien infrage stellen, die einst Grundlage der internationalen Ordnung waren.
Besonders kritisch bewertete Steinmeier die Tatsache, dass ausgerechnet die USA – lange Zeit Garant und Architekt der bestehenden Weltordnung – selbst zum Faktor der Destabilisierung geworden seien.
Ukraine, Krim und ein zweiter historischer Bruch
In seiner Analyse zog Steinmeier Parallelen zwischen der russischen Annexion der Krim, dem Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Verhalten der Vereinigten Staaten. Während Russland die territoriale Ordnung Europas gewaltsam infrage gestellt habe, stelle Washington durch sein Vorgehen die moralische Ordnung des Westens selbst auf die Probe.
Er sprach von einem „zweiten historischen Bruch“, der das Vertrauen in internationale Regeln nachhaltig erschüttere.
Appell an die Verantwortung der Mittelmächte
Steinmeier forderte Europa und insbesondere Deutschland dazu auf, nicht in politische Passivität zu verfallen. Länder wie Brasilien, Indien oder auch Staaten des globalen Südens müssten stärker in die Verantwortung genommen werden, um die internationale Ordnung zu stabilisieren.
„Wer schweigt, macht sich mitschuldig“, so die implizite Botschaft des Bundespräsidenten. Diplomatie, Dialog und klare Werte seien das einzige Mittel, um einer Welt entgegenzutreten, in der Machtpolitik die Oberhand gewinnt.
Mehr als Symbolik
Auch wenn das Amt des Bundespräsidenten vor allem repräsentativ ist, besitzen Steinmeiers Worte politisches Gewicht. Gerade weil er nicht unmittelbar in Regierungshandeln eingebunden ist, gelten seine Aussagen als strategischer Weckruf – an Europa, an transatlantische Partner und an die internationale Gemeinschaft.
Seine Warnung ist eindeutig: Ohne gemeinsame Werte droht der Welt eine Rückkehr zu einer Ordnung des Stärkeren – mit unkalkulierbaren Folgen.



