Warum Ruben Amorim entlassen wurde: Die Wahrheit hinter dem Aus

Die Ära von Ruben Amorim bei Manchester United war kürzer als geplant – und
dramatischer als erwartet. Nach nur 63 Pflichtspielen endete das Kapitel des
portugiesischen Trainers am Old Trafford abrupt. Offiziell sprach der Klub von
„fehlendem Fortschritt“. Hinter den Kulissen jedoch offenbarte sich ein
toxischer Mix aus taktischer Sturheit, internen Spannungen und fataler
öffentlicher Kommunikation.

Ein Projekt, das als Vision begann

Als Amorim im November 2024 als Nachfolger von Erik ten Hag verpflichtet wurde,
galt er als moderne Trainerhoffnung – ein taktischer Architekt, der Sporting
Lissabon neu definiert hatte. INEOS plante einen Dreijahreszyklus, Stabilität und
eine klare Spielidentität.

Doch statt Aufbau folgte Ernüchterung: Platz 15 in seiner ersten halben Saison,
Rang sechs im darauffolgenden Jahr – weit entfernt von den Erwartungen eines
Klubs dieses Kalibers.

Die 3-4-3-Doktrin: Sterben für die eigene Idee

Der Kern der internen Kritik richtete sich gegen Amorims kompromisslose
Taktiktreue. Unabhängig vom Gegner, vom Personal oder vom Spielverlauf hielt der
40-Jährige stur an seinem 3-4-3-System fest – jenem System, das ihn einst berühmt
gemacht hatte.

Das Problem: Manchester United verfügte weder über geeignete Flügelverteidiger
noch über Innenverteidiger mit ausreichender Breite und Spielintelligenz. Trotz
interner Warnungen verweigerte Amorim jede Anpassung an die Realität der Premier
League.

Isolation statt Evolution

Wo ein pragmatischer Trainer korrigiert hätte, verschanzte sich Amorim in
Dogmatik. Woche für Woche wurden strukturelle Schwächen sichtbar – nicht nur des
Kaders, sondern der taktischen Führung.

Der mediale Selbstmord nach Leeds

Der Wendepunkt kam nach dem 1:1 gegen Leeds United. Weniger als 24 Stunden später
folgte das Aus. Ausschlaggebend war nicht das Ergebnis, sondern das, was danach
geschah.

Vor laufenden Kameras beklagte Amorim öffentlich einen „Mangel an Unterstützung“
durch die Klubführung. Für einen Verein, der seine Außenwirkung akribisch
kontrolliert, war dies ein Tabubruch.

Eine rote Linie bei INEOS

Sir Jim Ratcliffe und sein Team interpretierten die Aussagen als Zeichen
mangelnder Selbstreflexion und wachsender Kontrollverluste. Wer öffentlich die
Hierarchie angreift, stellt sich selbst ins Abseits.

Der Transfermarkt: Mythos oder Ausrede?

Aus Amorims Umfeld hieß es, der Trainer habe vergeblich einen zentralen
Mittelfeldspieler gefordert, während ihm stattdessen drei Offensivspieler
vorgesetzt worden seien. Der Klub widerspricht dieser Darstellung vehement.

Laut internen Quellen war Amorim vollständig in die Transferstrategie
eingebunden. Rund 250 Millionen Pfund investierte United während seiner Amtszeit.
Die Verpflichtungen galten als flexibel und systemunabhängig – ein Argument, das
Amorims Rechtfertigung untergräbt.

Kein Machtkampf – sondern ein nüchternes Urteil

Entgegen medialer Spekulationen handelte es sich nicht um einen internen
Machtkampf. Vielmehr zog die Klubführung eine sachliche Bilanz: Es gab keine
erkennbare Entwicklung.

Ratcliffe hätte Amorim gerne im Amt gehalten. Doch ohne Fortschritt verliert
jede Vision ihre Legitimation. Die Entlassung ist weniger ein Schuldeingeständnis
des Projekts als die Entfernung eines Elements, das nicht funktionierte.

Was bleibt – und was folgt

Mit Darren Fletcher als Interimslösung beginnt nun eine Phase der
Selbstüberprüfung. Der Kader gilt weiterhin als jung und talentiert. Die
Verantwortlichen sind überzeugt, dass das Problem auf der Trainerbank lag – nicht
in den Büros.

Fazit

Ruben Amorim scheiterte nicht an mangelndem Talent, sondern an fehlender
Anpassungsfähigkeit. In einem Umfeld wie Manchester United ist taktische
Flexibilität keine Option – sondern eine Voraussetzung.

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