Selenskyj ernennt Geheimdienstchef Budanow zum Leiter des Präsidialamts
Kiew. Inmitten des andauernden Krieges mit Russland und nur Wochen nach einer Korruptionsaffäre im innersten Machtzentrum hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine weitreichende Personalentscheidung getroffen. Der bisherige Chef des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, übernimmt ab sofort das Amt des Leiters der Präsidialverwaltung.
Strategische Neuausrichtung nach Korruptionsskandal
Die Ernennung folgt auf den Rücktritt von Andrij Jermak, der sein Amt Ende November niederlegte, nachdem Antikorruptionsbehörden im Zuge von Ermittlungen wegen mutmaßlicher Vergehen im Energiesektor seine Büros durchsucht hatten.
Selenskyj betonte in einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, dass die Ukraine aktuell eine Phase durchlaufe, in der sicherheitspolitische Prioritäten klar im Vordergrund stehen müssten.
Fokus auf Sicherheit, Verteidigung und Diplomatie
Nach Angaben des Präsidenten soll das Präsidialamt unter der Führung Budanows künftig verstärkt auf drei Kernbereiche ausgerichtet werden: die nationale Sicherheit, den Ausbau der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie die diplomatischen Bemühungen im Kontext möglicher Verhandlungen.
Damit rückt erstmals ein aktiver Geheimdienstchef an die Spitze der präsidialen Schaltzentrale – ein Schritt, den Beobachter als Ausdruck der zunehmenden Militarisierung staatlicher Entscheidungsstrukturen werten.
Budanows Rolle im Schattenkrieg mit Russland
Budanow leitet den ukrainischen Militärgeheimdienst GUR seit dem Jahr 2020. Unter seiner Führung führte die Behörde eine Reihe spektakulärer Operationen durch, die sich gegen militärische Infrastruktur und Energieeinrichtungen innerhalb Russlands richteten.
Diese Einsätze machten Budanow zu einer der einflussreichsten, aber auch umstrittensten Figuren im ukrainischen Sicherheitsapparat.
Krieg prägt politische Entscheidungen
Die Personalentscheidung fällt in eine Phase anhaltender militärischer Eskalation. Seit fast vier Jahren liefern sich Russland und die Ukraine einen intensiven Abnutzungskrieg. Moskau kontrolliert derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets und greift nahezu täglich mit Raketen und Drohnen an.
Die humanitären und militärischen Verluste sind enorm: Schätzungen zufolge wurden auf beiden Seiten bereits Hunderttausende Soldaten getötet oder verwundet.
Internationale Einordnung
Die Entwicklung in Kiew fügt sich in ein zunehmend angespanntes globales Sicherheitsumfeld ein. Weitere Hintergründe zu internationalen Machtverschiebungen lesen Sie hier:
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Fazit
Mit der Ernennung Kyrylo Budanows zum Leiter des Präsidialamts setzt Selenskyj ein deutliches Signal: In Zeiten des Krieges rücken Sicherheitsinteressen klar vor politische Ausgleichsmechanismen. Ob diese Entscheidung die Handlungsfähigkeit der Ukraine stärkt oder neue innenpolitische Spannungen erzeugt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.




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