Beliebte Kinderuhr im Fokus deutscher IT-Experten
Eine Smartwatch für Kinder, die eigentlich Sicherheit und Kontrolle versprechen soll, steht nun im Zentrum einer hitzigen Debatte. Deutsche IT-Sicherheitsforscher haben gravierende Schwachstellen in einer weit verbreiteten Xplora-Kinderuhr aufgedeckt – mit potenziell alarmierenden Folgen für Datenschutz und Privatsphäre.
Die Enthüllungen werfen grundsätzliche Fragen über die Sicherheit digitaler Geräte für Minderjährige auf, insbesondere in Zeiten wachsender Vernetzung.
Masterarbeit deckt Sicherheitslücken auf
Wie die Technische Universität Darmstadt mitteilte, gelang es einem Studenten im Rahmen seiner Masterarbeit, die Sicherheitsmechanismen eines aktuellen Xplora-Modells zu umgehen.
Die Uhr gilt bei vielen Eltern als Alternative zum Smartphone. Sie erlaubt Telefonate und Textnachrichten mit zuvor freigegebenen Kontakten, verzichtet jedoch bewusst auf Internetzugang oder soziale Netzwerke.
Ortung, Kommunikation – und Angriffsfläche
Über GPS können Eltern den Standort ihrer Kinder verfolgen. Genau diese Verbindung zwischen Uhr, App und Servern eröffnet jedoch potenzielle Angriffspunkte.
Laut den Forschern war es möglich, private Nachrichten mitzulesen – und sogar gefälschte Nachrichten im Namen der Kinder zu versenden.
Spionage-Risiko oder theoretisches Szenario?
Die Wissenschaftler sprechen von einer ernstzunehmenden Sicherheitslücke. Ein unbefugter Zugriff könnte nicht nur Kommunikation ausspähen, sondern auch Vertrauen zwischen Kindern und Eltern untergraben.
Besonders kritisch: Solche Angriffe könnten theoretisch ohne Wissen der Betroffenen erfolgen.
Hersteller widerspricht der Einschätzung
Der norwegische Hersteller Xplora reagierte defensiv. In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte das Unternehmen, man habe Hinweise der Forscher erhalten und bereits Verbesserungen umgesetzt.
Gleichzeitig wies Xplora den Vorwurf einer „schweren Sicherheitslücke“ zurück.
„Kein realistisches Alltagsrisiko“
Nach Angaben des Herstellers betrifft die Schwachstelle eine spezielle Debug-Schnittstelle, die nicht frei zugänglich sei. Der Test sei unter kontrollierten Laborbedingungen durchgeführt worden und habe sich ausschließlich auf das Gerät des Forschers bezogen.
Ein Zugriff durch Außenstehende im normalen Betrieb sei daher äußerst unwahrscheinlich.
Datenschutz bei Kindertechnik unter Beobachtung
Unabhängig von der Einschätzung des Herstellers zeigt der Fall ein strukturelles Problem: Digitale Geräte für Kinder unterliegen besonders hohen Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit.
Schon in der Vergangenheit hatten deutsche Behörden vor bestimmten Spielzeugen und Uhren gewarnt, die unzureichend gesichert waren oder heimliches Abhören ermöglichten.
Fazit: Vertrauen ist gut – Kontrolle bleibt nötig
Der Fall Xplora macht deutlich, wie sensibel der Markt für Kinder-Technologie ist. Selbst Geräte mit eingeschränkten Funktionen können unerwartete Sicherheitsrisiken bergen.
Für Eltern bedeutet das: Transparenz der Hersteller, regelmäßige Updates und unabhängige Prüfungen sind entscheidend, um das Vertrauen in digitale Begleiter für Kinder zu rechtfertigen.
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