Selenskyj: 55.000 ukrainische Soldaten seit Kriegsbeginn gefallen

Kiew – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals eine detaillierte offizielle Zahl zu den militärischen Verlusten seines Landes genannt. Demnach sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 rund 55.000 ukrainische Soldaten ums Leben gekommen.

In einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France 2 erklärte Selenskyj, dass diese Zahl sowohl reguläre Armeeangehörige als auch während des Krieges mobilisierte Soldaten umfasst. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es darüber hinaus eine hohe Zahl an offiziell als vermisst geltenden Militärangehörigen gebe.

Steigende Opferzahlen und frühere Angaben

Bereits im Februar 2025 hatte Selenskyj in einem Gespräch mit dem US-Sender NBC von mehr als 46.000 gefallenen Soldaten gesprochen. Die nun genannte Zahl verdeutlicht, wie stark die Verluste im Verlauf des andauernden Krieges weiter gestiegen sind.

Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland einen großangelegten militärischen Angriff gegen die Ukraine. Moskau knüpft ein mögliches Kriegsende unter anderem an die Forderung, dass Kiew auf einen NATO-Beitritt verzichtet – ein Anspruch, den die ukrainische Führung als unzulässige Einmischung in ihre Souveränität zurückweist.

Besetzte Gebiete und militärische Lage

Nach westlichen Schätzungen kontrolliert Russland derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, darunter die bereits 2014 annektierte Krim sowie weite Teile der Regionen Donezk und Luhansk. Militäranalysten gehen davon aus, dass russische Truppen seit Anfang 2024 weitere 1,5 Prozent ukrainischen Territoriums erobert haben.

Parallel zu den Kämpfen laufen in Abu Dhabi seit Donnerstag Gespräche zwischen Vertretern Russlands und der Ukraine unter Beteiligung der Vereinigten Staaten. Ziel der Gespräche ist eine mögliche Annäherung in sicherheitspolitischen Fragen, während sich die Lage an der Front weiter zuspitzt.

Gespräche in Abu Dhabi: Vorsichtiger Optimismus

Der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew sprach von „positiven Bewegungen“ in den Gesprächen, trotz politischen Drucks aus der Europäischen Union und Großbritannien. Er warf europäischen Staaten vor, eine friedliche Lösung aktiv zu behindern.

Zugleich erklärte Dmitrijew, Moskau und Washington arbeiteten intensiv an der Wiederherstellung wirtschaftlicher Beziehungen. Auf ukrainischer Seite bestätigte der Verteidigungsminister Rustem Umerow, dass der zweite Verhandlungstag mit trilateralen Konsultationen und Arbeitsgruppen fortgesetzt werde.

Selenskyj äußerte am Ende des ersten Verhandlungstages die Hoffnung auf einen weiteren Gefangenenaustausch in naher Zukunft.

Hauptstreitpunkt: Der Osten der Ukraine

Der zentrale Konfliktpunkt bleibt die Zukunft der ostukrainischen Gebiete. Russland fordert für ein Abkommen den vollständigen Abzug ukrainischer Truppen aus großen Teilen des Donbass – darunter stark befestigte Städte mit strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Eine erste Runde trilateraler Sicherheitsgespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA hatte bereits am 23. und 24. Januar in Abu Dhabi stattgefunden.

Anhaltende Kämpfe und zivile Opfer

Unterdessen hält die militärische Eskalation an. Ukrainische Behörden meldeten jüngst mehrere Tote und Verletzte durch russische Angriffe in den Regionen Cherson, Sumy und Dnipro. In der Region Donezk wurden bei Beschuss auf die Städte Druschkiwka und Lyman acht Menschen getötet und 21 weitere verletzt.

Auch in Kiew kam es laut Behörden zu Verletzten durch Trümmer abgeschossener Drohnen. Weitere Angriffe trafen die Regionen Odessa und Charkiw.

Ukraine meldet massive russische Verluste

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs sind seit Kriegsbeginn rund 1.243.840 russische Soldaten getötet oder verwundet worden. Allein innerhalb von 24 Stunden seien weitere 770 Verluste registriert worden.

Darüber hinaus meldet Kiew die Zerstörung von mehr als 11.600 Panzern, rund 24.000 gepanzerten Fahrzeugen, fast 36.000 Artilleriesystemen sowie Tausenden Drohnen, Raketen und militärischen Fahrzeugen.

Selenskyj bekräftigte erneut, dass der Krieg nicht nur militärisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich über die Zukunft Europas entscheiden werde.

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