Ein Jahr Trump II: Schärferer Ton, größere Unsicherheit

Washington/Berlin – Ein Jahr nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat Donald Trump den politischen und wirtschaftlichen Kurs der USA spürbar verschärft. Seine Drohungen sind häufiger, direkter und globaler geworden. Für deutsche Unternehmen stellt sich zunehmend die Frage: Anpassen oder Widerstand leisten?

Kaum eine Woche vergeht ohne neue Ankündigungen, Strafmaßnahmen oder symbolträchtige Auftritte, bei denen Trump Länder öffentlich an den Pranger stellt – häufig begleitet von der Drohung sogenannter „reziproker Zölle“.

Zölle als politisches Druckmittel

2025 hat jedoch auch gezeigt: Nicht jede Drohung wird umgesetzt. Oft reicht bereits die Ankündigung, um Unsicherheit zu erzeugen, Investitionsentscheidungen zu verzögern und Verhandlungsmacht zugunsten der USA zu verschieben.

Besonders betroffen sind deutsche Unternehmen, die stark vom US-Markt abhängig sind – sei es durch Exporte oder Produktionsstandorte vor Ort.

„Die Stimmung bleibt angespannt“

Auch die Deutschen Auslandshandelskammern (AHK) beobachten die Entwicklung mit Sorge. Laut aktuellen Berichten bleibt das Geschäftsklima deutscher Firmen in den USA angespannt. Einer der Hauptbelastungsfaktoren: die amerikanische Zollpolitik.

Christoph Szymoniak von der AHK Washington betont im Gespräch mit DW dennoch die enorme Bedeutung des Marktes: Deutschland sei inzwischen der drittgrößte ausländische Direktinvestor in den USA – hinter Japan und Kanada.

Fast eine Million Arbeitsplätze

Rund eine Million Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten hängen direkt oder indirekt von deutschen Unternehmen ab. Genau das entspricht Trumps wirtschaftspolitischem Ziel, industrielle Wertschöpfung ins Land zu holen.

Gleichzeitig zeigen sich die Kehrseiten der Strategie: Hohe Zölle auf Maschinen und Vorprodukte erschweren Investitionen und bremsen den geplanten industriellen Wiederaufbau.

Exporte unter Druck

Die staatliche Wirtschaftsförderung Germany Trade and Invest (GTAI) bestätigt den Trend. Zwar bleiben die USA Deutschlands wichtigster Exportmarkt, doch die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verschlechtert.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sanken die deutschen Exporte in die USA in den ersten zehn Monaten um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

„Die Stimmung deutscher Unternehmen hat sich über das Jahr hinweg klar eingetrübt“, erklärt GTAI-USA-Experte Roland Rudi.

Automobilindustrie und Maschinenbau besonders betroffen

Die Auswirkungen der Zollpolitik unterscheiden sich stark nach Branche. In der Automobilindustrie gelten teilweise Ausnahmen: Auf Stahl- und Aluminiumprodukte fallen zwar hohe Abgaben an, doch fertige Fahrzeuge aus der EU werden derzeit mit rund 15 Prozent verzollt.

Diese Kosten lassen sich jedoch kaum an Verbraucher weitergeben – die Margen schrumpfen.

Im Maschinenbau ist die Lage noch komplexer. Rund die Hälfte der Lieferungen ist direkt von Metallzöllen betroffen. Hinzu kommt ein erheblicher bürokratischer Aufwand zur Ermittlung des Metallanteils.

Produktion in den USA – nur bedingt realistisch

Trumps Forderung, mehr Vorprodukte direkt in den USA herzustellen, stößt an Grenzen. Hochspezialisierte Maschinen aus Deutschland, Japan oder Südkorea lassen sich kurzfristig nicht ersetzen.

„Dafür fehlen Lieferketten, Know-how und Fachkräfte“, betont Szymoniak. Auch GTAI-Experte Rudi sieht keine kurzfristige Ausweitung der Produktionskapazitäten im Maschinenbau.

Unternehmen setzen auf Rechtskonformität

Große deutsche Konzerne wie Lufthansa, Mercedes-Benz, BASF und T-Mobile US reagieren vor allem mit Anpassung an bestehende Gesetze. Bei umstrittenen Themen wie Gleichstellungsprogrammen betonen alle Unternehmen ihre strikte Orientierung an den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen.

Strategisch setzen viele Firmen stärker auf regionale Märkte und lokale Produktionsausweitungen – jedoch mit Augenmaß.

Fazit: Anpassung statt Rückzug

Trotz politischer Unsicherheit und wachsender Belastungen bleibt der US-Markt attraktiv. Deutsche Unternehmen werden ihre Präsenz dort voraussichtlich nicht reduzieren, sondern selektiv ausbauen.

„Jeder Dollar, der in Zölle fließt, fehlt bei Investitionen“, warnt Rudi. Dennoch seien die USA auf absehbare Zeit ein zentraler Pfeiler deutscher Auslandsaktivitäten.


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