Mutmaßlicher Brandanschlag legt Südwesten Berlins lahm

Berlin. Ein großflächiger Stromausfall hat am Samstagmorgen Teile des Südwestens der Hauptstadt in eine Ausnahmesituation versetzt. Mehr als 45.400 Haushalte sowie rund 2.200 Gewerbebetriebe waren zeitweise ohne Energieversorgung. Polizei und Feuerwehr gehen inzwischen von einem gezielten Brandanschlag aus.

Großeinsatz von Feuerwehr und Hilfsorganisationen

Mehrere hundert Feuerwehrleute, unterstützt von freiwilligen Einheiten, dem Technischen Hilfswerk (THW) und weiteren Hilfsorganisationen, sind seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Ziel ist es, die Auswirkungen des Stromausfalls abzufedern und besonders gefährdete Personen zu schützen.

„Die Lage ist äußerst dynamisch“, erklärte Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch. Neben technischen Maßnahmen stehe vor allem der Schutz von Menschen im Mittelpunkt.

Evakuierungen in Pflegeheimen und Kliniken

Besonders kritisch: Im betroffenen Gebiet befinden sich mehrere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Erste Bewohner und Patienten aus zwei Heimen wurden vorsorglich in andere Einrichtungen verlegt. Auch die Versorgung von zu Hause behandelten Patienten mit Atemgeräten stellte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen.

Zahlreiche Menschen mussten zudem aus steckengebliebenen Aufzügen befreit werden.

Reparatur dauert bis in den Abend

Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin rechnet damit, dass die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung erst am Abend erfolgen kann. Pressesprecher Henrik Beuster erklärte, dass die Reparaturarbeiten voraussichtlich den gesamten Tag andauern.

Die Versorgung werde schrittweise wieder aufgenommen, ein exakter Zeitpunkt könne jedoch nicht garantiert werden.

Brand an Kabelbrücke über dem Teltowkanal

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde eine Kabelbrücke über den Teltowkanal durch ein Feuer schwer beschädigt. Mehrere Stromleitungen zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde fielen aus.

Nach ersten Informationen soll zunächst ein Baucontainer gebrannt haben, bevor die Flammen auf die Stromkabel übergriffen. Die Feuerwehr wurde gegen 6.12 Uhr alarmiert, nachdem ein Zeuge den Brand bemerkt hatte.

LKA ermittelt wegen gezielter Sabotage

Die Berliner Polizei bestätigte, dass das Landeskriminalamt (LKA) wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Kriminaltechniker sicherten Spuren am Tatort, darunter auch Fußabdrücke entlang des Uferwegs.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen deutet vieles darauf hin, dass die Täter über Insiderwissen verfügten. Nur so lasse sich erklären, warum ausgerechnet eine neuralgische Stelle mit maximaler Schadenswirkung getroffen wurde.

Polizei und Feuerwehr warnen Bevölkerung

Die Polizei ist mit rund 160 Einsatzkräften vor Ort. Über die Plattform X warnte sie zudem, dass auch Mobilfunk- und Festnetze zeitweise gestört sein könnten.

Die Feuerwehr appellierte eindringlich an die Bevölkerung, den Notruf 112 ausschließlich in echten Notfällen zu wählen. Zudem wird davor gewarnt, gasbetriebene Heizgeräte in Innenräumen zu nutzen.

Nachbarschaftshilfe gefragt

Bewohner wurden gebeten, sich um hilfsbedürftige Nachbarn zu kümmern. In dringenden Fällen könne man sich auch direkt an Feuer- oder Polizeiwachen sowie an Busfahrer wenden.

Weite Teile des Südens betroffen

Zu den betroffenen Straßenzügen zählen unter anderem der Ostpreußendamm, die Osdorfer Straße, die Celsius- und Fahrenheitstraße, der Lichterfelder Ring sowie zahlreiche weitere Wohn- und Gewerbegebiete.

Einordnung

Der Vorfall zeigt, wie verwundbar die kritische Infrastruktur selbst in einer Metropole wie Berlin ist. Sollte sich der Verdacht eines gezielten Anschlags bestätigen, hätte der Fall nicht nur strafrechtliche, sondern auch sicherheitspolitische Dimensionen.

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Fazit

Der massive Stromausfall im Südwesten Berlins ist mehr als eine technische Störung. Die Ermittlungen des LKA könnten klären, ob es sich um einen gezielten Angriff auf die Energieversorgung handelt – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen.

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