Spanien legalisiert Hunderttausende Migranten – Wird Deutschland nachziehen?
Während Deutschland und mehrere EU-Staaten ihren Kurs in der Migrationspolitik verschärfen, geht Spanien einen anderen Weg. Die Regierung von Pedro Sánchez plant, rund 500.000 Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus zu legalisieren – sofern sie keine Vorstrafen haben und arbeiten. Die Entscheidung sorgt europaweit für Diskussionen.
Was plant die spanische Regierung konkret?
Laut Regierungsbeschluss können Migranten, die sich bis zum 31. Dezember 2025 mindestens fünf Monate in Spanien aufgehalten haben und keine Straftaten begangen haben, eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis beantragen. Nach einem Jahr soll diese in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden können.
Politisch gilt der Schritt als liberal, administrativ jedoch als pragmatisch: Spanien kämpft mit Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen, während gleichzeitig viele Menschen ohne legalen Status im Land leben.
Kann Deutschland ein ähnliches Modell einführen?
Grundsätzlich wäre ein solches Modell möglich, solange es mit EU-Recht vereinbar ist. Allerdings müsste das deutsche Aufenthaltsgesetz angepasst werden. Das Bundesinnenministerium betont bislang die klare Trennung zwischen Arbeitsmigration und Asylverfahren.
Ziel sei es, Fehlanreize zu vermeiden und irreguläre Migration nicht indirekt zu fördern. Kritiker warnen davor, dass Legalisierungskampagnen neue Anreize für illegale Einreisen schaffen könnten.
Das deutsche Modell: Chancen-Aufenthaltsrecht
Deutschland hat bereits mit dem sogenannten „Chancen-Aufenthaltsrecht“ eine befristete Regelung geschaffen. Geduldete Personen, die seit mindestens fünf Jahren im Land lebten (Stichtag 31. Oktober 2022), konnten eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten.
Bis April 2025 nutzten über 31.000 Personen diese Möglichkeit. Rund die Hälfte erhielt anschließend eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Andere fielen zurück in den Duldungsstatus oder verließen das Land.
Wie steht die deutsche Öffentlichkeit dazu?
Eine YouGov-Umfrage zeigt ein gespaltenes Bild: 47 Prozent der Befragten sprechen sich für ein ähnliches Modell wie in Spanien aus, 39 Prozent lehnen es ab, 14 Prozent sind unentschieden.
Besonders unter Wählern der Grünen, der Linken und der SPD findet das spanische Modell Zustimmung. Skeptischer äußern sich Anhänger konservativer und rechter Parteien.
Wirtschaftliche Realität oder politisches Risiko?
Befürworter argumentieren, dass viele irregulär Beschäftigte bereits Teil des Arbeitsmarktes seien. Eine Legalisierung würde Steuereinnahmen erhöhen und soziale Absicherung ermöglichen.
Gegner sehen dagegen die Gefahr eines Signal-Effekts: Wer lange genug bleibt, könnte auf eine spätere Legalisierung hoffen.
Europa vor einer Richtungsentscheidung
Die Entscheidung Spaniens könnte Signalwirkung für andere EU-Staaten haben. Ob Deutschland diesem Beispiel folgt, hängt nicht nur von rechtlichen Fragen ab, sondern vor allem von politischen Mehrheiten.
Fest steht: Die Debatte über Migration bleibt eines der zentralen Themen der europäischen Innenpolitik im Jahr 2026.



