Rente ab 68? CDU-Wirtschaftsrat fordert radikale Reformen
Deutschland steht vor einer der größten sozialpolitischen Weichenstellungen seit Jahrzehnten.
Der wirtschaftsnahe Rat der CDU erhöht den Druck auf die Bundesregierung und fordert tiefgreifende Reformen des Rentensystems – inklusive einer Anhebung des Rentenalters über 67 Jahre hinaus.
Demografischer Wandel zwingt zur Rentenreform
Aus Sicht des CDU-Wirtschaftsrates ist das aktuelle Rentensystem langfristig nicht mehr tragfähig. Die Alterung der Gesellschaft, steigende Lebenserwartung und die massive Pensionierungswelle der Babyboomer setzen die umlagefinanzierte Rente zunehmend unter Druck.
Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates, erklärte gegenüber der Funke-Mediengruppe, dass es „unumgänglich“ sei, das Renteneintrittsalter schrittweise über 67 Jahre hinaus anzuheben. Nur so könne die Stabilität des Rentensystems gesichert werden.
Rente an Lebenserwartung koppeln
Ein zentrales Reformelement sei laut Wirtschaftsrat die automatische Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung. Dieses Modell würde politische Blockaden umgehen und das System flexibler an demografische Realitäten anpassen.
Bereits heute wird das gesetzliche Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Doch nach Einschätzung vieler Ökonomen reicht dieser Schritt nicht aus, um die Finanzierung langfristig zu sichern.
Kritik an Milliardenkosten für Rentengarantie
Besonders kritisch sieht der Wirtschaftsrat die Entscheidung der Bundesregierung, das Rentenniveau politisch abzusichern. Diese sogenannte Haltelinie koste den Staat über Jahre hinweg Milliardenbeträge, die angesichts wachsender Ausgaben kaum noch finanzierbar seien.
Finanziert wird die Stabilisierung derzeit vor allem über steigende Bundeszuschüsse, während die Zahl der Beitragszahler sinkt und die Zahl der Rentenempfänger steigt.
Europäische Vorbilder: Schweden, Dänemark, Niederlande
Der Blick ins europäische Ausland zeigt laut Wirtschaftsrat mögliche Auswege. Länder wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande haben ihre Rentensysteme bereits reformiert und setzen stärker auf kapitalgedeckte Elemente sowie flexible Renteneintrittsmodelle.
Steiger betonte, dass diese Staaten deutlich robuster auf den demografischen Wandel reagieren und ihre Systeme zukunftssicherer aufgestellt seien als Deutschland.
Kapitalfonds und Beteiligung der Rentner
Neben der Erhöhung des Rentenalters fordert der Wirtschaftsrat den Aufbau eines kapitalgedeckten Vorsorgefonds sowie eine stärkere Beteiligung wohlhabender Rentner an den Kosten der alternden Gesellschaft.
Nur ein Mix aus höherem Rentenalter, Kapitaldeckung und strukturellen Anpassungen könne verhindern, dass jüngere Generationen übermäßig belastet werden.
Politischer Zündstoff für die Zukunft
Die Forderungen des CDU-Wirtschaftsrates dürften die politische Debatte weiter anheizen. Während Wirtschaftsverbände Reformen fordern, warnen Gewerkschaften und Sozialverbände vor Altersarmut und sozialer Spaltung.
Klar ist jedoch: Die Frage der Rente wird zu einem der zentralen Konfliktthemen der kommenden Jahre – und zu einem entscheidenden Prüfstein für die nächste Bundesregierung.



