Lufthansa vor Großstreik: Piloten und Kabinencrew ziehen gemeinsam durch
Der Konflikt bei Deutschlands größter Fluggesellschaft spitzt sich zu. Am
Donnerstag droht der Lufthansa ein massiver Arbeitskampf, denn erstmals seit
Jahren legen Piloten und Kabinenpersonal gleichzeitig ihre Arbeit
nieder. Der Ausstand könnte den Flugverkehr an deutschen Flughäfen erheblich
beeinträchtigen.
Aufgerufen zum Streik haben die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit
(VC) sowie die Kabinengewerkschaft Ufo. Während die Piloten
höhere Arbeitgeberbeiträge zu Betriebs- und Übergangsrenten fordern, will Ufo mit
einem Warnstreik Bewegung in festgefahrene Tarifverhandlungen bringen.
Welche Flüge sind betroffen?
Nach Angaben der Vereinigung Cockpit sollen insbesondere Flüge der Kernmarke
Lufthansa sowie der Frachttochter Lufthansa Cargo
bestreikt werden, sofern sie von deutschen Flughäfen starten. Auch
Bereitschaftsdienste, Simulatortrainings und Anreisen von Cockpit-Beschäftigten
zu Einsatzorten fallen unter den Streikaufruf.
Der letzte Pilotenstreik bei der Lufthansa liegt bereits einige Monate zurück,
doch die jetzige Eskalation gilt als besonders brisant – nicht zuletzt wegen der
gleichzeitigen Beteiligung der Kabinencrews.
Piloten fordern bessere Altersvorsorge
Im Zentrum der Forderungen der rund 4.800 Cockpit-Beschäftigten steht
eine Anpassung der Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Eine
Urabstimmung darüber hatte bereits im Herbst eine klare Mehrheit für
Arbeitskampfmaßnahmen ergeben.
Das Lufthansa-Management lehnt die Forderungen bislang ab und verweist auf hohe
Kosten sowie die angespannte Ertragslage im Premium-Segment. Die Gewerkschaft
VC kritisiert hingegen, dass notwendige soziale Sicherungen zugunsten von
Kostensenkungen geopfert würden.
Ufo warnt vor Jobabbau und fordert Sozialplan
Die Kabinengewerkschaft Ufo geht mit einem Warnstreik ins Rennen, ohne zuvor eine
Urabstimmung durchzuführen. Ziel sei es, den Konzern an den Verhandlungstisch zu
zwingen – insbesondere mit Blick auf die Kerngesellschaft Lufthansa und die
Regionaltochter Cityline.
Laut Ufo sind allein dort rund 800 Arbeitsplätze durch die aktuelle
Konzernstrategie gefährdet. Die Gewerkschaft fordert einen tariflich abgesicherten
Sozialplan und wirft dem Management vor, Verhandlungen systematisch zu verweigern.
Kritik an Konzernstrategie wächst
Unter dem Schlagwort „Produktivität und Flexibilität“ setze der Lufthansa-Konzern
auf neue Flugbetriebe wie City Airlines oder Discover,
um kostengünstiger zu operieren. Kritiker sehen darin einen massiven Druck auf
bestehende Tarifstrukturen.
Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger warnt, die Strategie führe zu einer steigenden
Arbeitsbelastung und zu einer weiteren Einschränkung der ohnehin schwierigen
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für das Kabinenpersonal.
Neue Umstrukturierungen verschärfen den Konflikt
Erst am Dienstag hatte der Konzern angekündigt, dass City Airlines
künftig auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis Herbst soll die Flotte dort auf
sieben Airbus-A320-Maschinen anwachsen. Für Passagiere ist dabei kaum erkennbar,
mit welcher Gesellschaft sie tatsächlich fliegen, da City Airlines vollständig in
den Lufthansa-Flugplan integriert ist.
Für das Wachstum der neuen Tochter werden in Frankfurt zusätzliche Mitarbeiter
eingestellt. Geplant ist der Aufbau von mehreren hundert neuen Stellen – ein Punkt,
der bei den Gewerkschaften auf Skepsis stößt.
Chaos für Passagiere möglich
Sollte es zu keiner kurzfristigen Einigung kommen, müssen sich Passagiere auf
Verspätungen, Flugausfälle und Umbuchungen einstellen. Die Lufthansa
hat bislang keinen Notfallflugplan veröffentlicht.
Der gleichzeitige Streik von Piloten und Kabinencrew markiert eine neue Eskalationsstufe
im Tarifkonflikt – mit ungewissem Ausgang für Reisende und Konzern gleichermaßen.



