Innovative Immuntherapie könnte Darmalterung bei Senioren rückgängig machen
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie offenbart einen vielversprechenden Ansatz zur Regeneration des Darms im fortgeschrittenen Alter. Forscher setzen dabei auf eine Immuntherapie, die ursprünglich zur Bekämpfung von Krebs entwickelt wurde. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Verbesserung der Verdauungsgesundheit bei älteren Menschen und Krebspatienten, berichtet ScienceDaily.
Warum der Darm im Alter geschwächt ist
Die Darmwand ist von einer dünnen Zellschicht, dem sogenannten Darmepithel, ausgekleidet. Diese Schicht ist entscheidend für die Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen. Unter normalen Bedingungen erneuert sich das Epithel alle drei bis fünf Tage. Mit zunehmendem Alter oder nach einer Strahlenbehandlung – wie sie bei Krebspatienten vorkommt – kann dieser Regenerationsprozess gestört werden.
Ein verlangsamter Zellumsatz führt zu erhöhten Entzündungswerten und erhöht die Wahrscheinlichkeit für das sogenannte „Leaky Gut“-Syndrom, das mit verschiedenen Verdauungs- und Immunproblemen in Verbindung steht.
Der Fokus: seneszente Zellen
Die Studie konzentriert sich auf seneszente Zellen, die nicht mehr teilen, aber auch nicht absterben. Sie häufen sich mit zunehmendem Alter an und werden mit einer Reihe chronischer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Das Forschungsteam unter Leitung von Dr. Corinna Amor Vegas hat zuvor genetisch modifizierte Immunzellen entwickelt – die sogenannten anti-uPAR CAR T Cells –, die gezielt diese Zellen angreifen und eliminieren können.
Erfolge bei Tierversuchen
Wurde diese Immuntherapie bei Mäusen unterschiedlichen Alters angewendet, zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Regenerationsfähigkeit des Darms sowie eine Reduktion von Entzündungen. Zudem stieg die Nährstoffaufnahme merklich an. Bei Mäusen, die einer strahlenähnlichen Belastung ausgesetzt waren – analog zur Behandlung von Krebspatienten im Beckenbereich –, reichte bereits eine einzelne Dosis der Therapie, um die Darmgesundheit bis zu einem Jahr zu stabilisieren.
Potenzial für menschliche Anwendungen
Laboruntersuchungen an menschlichen Darmzellen zeigten eine vergleichbare positive Reaktion. Dies stärkt die Hoffnung auf eine zukünftige Übertragbarkeit in klinische Studien und könnte den Weg für innovative Behandlungen bei altersbedingter Darmschwäche ebnen.
Therapeutische Perspektiven
Laut den Forschern stellt dieses Vorgehen einen wichtigen Schritt dar, um die biologische Alterung des Darms gezielt anzugehen, statt nur Symptome zu behandeln. Professor Samir Biazaz, Koautor der Studie, betont, dass der Ansatz die Lebensqualität älterer Menschen und Krebspatienten gleichermaßen verbessern könnte.
Obwohl sich die Therapie noch in der Forschungsphase befindet, spiegeln die Ergebnisse – veröffentlicht in Nature Aging und unterstützt durch das Cold Spring Harbor Laboratory – einen potenziellen Paradigmenwechsel im Verständnis der Mechanismen der Darmalterung wider und könnten zukünftig neue Behandlungsstrategien ermöglichen.
Fazit
Die Kombination aus Immuntherapie und gezieltem Einsatz gegen seneszente Zellen eröffnet nicht nur Hoffnung für Senioren, sondern auch für Patienten, die durch Krebsbehandlungen geschwächt sind. Während weitere klinische Studien erforderlich sind, signalisiert diese Forschung einen bedeutenden Fortschritt in der regenerativen Medizin und könnte langfristig die Darmgesundheit nachhaltig verbessern.
Quellen und weiterführende Artikel:



