Elektroauto-Boom in Deutschland: Deloitte prognostiziert deutlichen Anstieg
Die Managementberatung Deloitte erwartet, dass die von der deutschen Regierung angekündigten Kaufanreize für Elektrofahrzeuge einen erheblichen Anstieg der Verkaufszahlen auslösen werden. Gleichzeitig warnen die Experten jedoch, dass fehlende Schutzmaßnahmen dazu führen könnten, dass der Fördertopf vor allem den chinesischen Wettbewerbern zugutekommt.
Prognosen: 180.000 zusätzliche Elektroautos pro Jahr
Deloitte schätzt, dass jährlich bis zu 180.000 zusätzliche Elektroautos verkauft werden könnten, wobei der Großteil reine Batterie-Fahrzeuge sein wird. Mit dem Fördervolumen von drei Milliarden Euro bis 2030 könnten somit insgesamt rund 750.000 zusätzliche Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Die Prognosen verdeutlichen die ambitionierten Ziele der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität und zur Reduzierung von CO₂-Emissionen im Verkehrssektor.
Europäische Produktion könnte Nachfrage nicht decken
Harald Prov, Automotive-Experte bei Deloitte, betont, dass die europäische Produktion den steigenden Bedarf nicht vollständig decken werde. Er fordert deshalb eine Verknüpfung der Fördermaßnahmen mit regionaler Produktion: „Um die europäische Autoindustrie wirklich zu stärken, müssen Kriterien für den lokalen Inhalt definiert werden. Andernfalls riskieren wir, dass deutsche Steuergelder in chinesische Importe fließen.“ Gemeint ist die sogenannte lokale Wertschöpfung, also die Produktion innerhalb der EU, statt Importen aus Übersee.
Förderprogramm für Elektroautos bis 2030 verlängert
Die deutsche Bundesregierung hatte im Oktober angekündigt, die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge ab dem kommenden Jahr wieder einzuführen. Das Programm umfasst sowohl reine Elektrofahrzeuge als auch Hybridfahrzeuge mit aufladbarem Akku. Zielgruppe sind insbesondere einkommensschwache Familien: Der jährliche Höchstverdienst ist auf 80.000 Euro pro Haushalt festgelegt, zusätzlich gibt es 5.000 Euro pro Kind, maximal für zwei Kinder.
Herausforderung China: Überproduktion und Marktzugang
Aktuell wird das Programm ohne verbindliche Vorgaben für „lokalen Inhalt“ umgesetzt, wie Deloitte fordert. Das Umweltministerium arbeitet jedoch daran, EU-konforme Regeln zu entwickeln, die später in das Förderprogramm integriert werden sollen. Hintergrund ist die Überproduktion chinesischer Hersteller, die nach neuen Absatzmärkten suchen, um ihre Gewinne zu steigern. Die fehlenden Schutzmaßnahmen könnten dazu führen, dass ein erheblicher Teil der Fördergelder direkt in diese ausländischen Fahrzeuge fließt.



