Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf China trotz geopolitischer Spannungen
Die neuesten Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung Deutschland (IW) zeigen, dass die Investitionen deutscher Unternehmen in China im Jahr 2025 auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen sind. Dies verdeutlicht, wie die Handelskonflikte unter Präsident Donald Trump Unternehmen und Regierungen dazu veranlassen, ihre Wirtschaftsbeziehungen global neu auszurichten.
Zwischen Januar und November 2025 flossen laut IW mehr als 7 Milliarden Euro (rund 8 Milliarden US-Dollar) nach China – ein Anstieg von 55,5 % im Vergleich zu den 4,5 Milliarden Euro in den Jahren 2023 und 2024. Die aggressiven US-Handelspolitiken, einschließlich Strafzöllen auf EU-Importe, haben europäische Firmen dazu gebracht, China als strategische Alternative zu betrachten.
Handelsbeziehungen im Wandel
Während Großbritannien ein Handelsdelegation nach China entsendet, um neue Verträge in Branchen wie Automobil und Pharma abzuschließen, sucht die EU zugleich Abkommen mit Südamerika, und Kanada strebt stärkere Wirtschaftsbeziehungen zu China und Indien an. Deutschland bemüht sich dabei, zwischen strikten Handels- und Sicherheitspositionen gegenüber China und der Bewahrung seiner wichtigsten Handelsbeziehung zu balancieren.
Jürgen Mattes, Leiter der Abteilung Internationale Wirtschaftspolitik am IW, kommentierte gegenüber Reuters: „Deutsche Unternehmen bauen ihre Aktivitäten in China weiter aus und beschleunigen diesen Trend.“ Viele Firmen konsolidieren ihre Lieferketten vor Ort, um sich gegen mögliche Handelsstörungen abzusichern.
Investitionsverschiebungen und strategische Anpassungen
Berichten zufolge haben deutsche Unternehmen ihre Investitionen in den USA im ersten Jahr der zweiten Amtszeit Trumps nahezu halbiert. Mattes erläuterte, dass dies auch aus geopolitischen Sicherheitsbedenken heraus erfolgt, um die Unternehmensaktivitäten in China unabhängiger zu gestalten. „Produziere ich in China für den chinesischen Markt, mindere ich das Risiko durch mögliche Zölle oder Exportbeschränkungen“, erklärte er.
Unternehmen wie BASF, Volkswagen, Infineon und Mercedes-Benz sind stark auf den chinesischen Markt angewiesen. Dort werden viele Autos und chemische Produkte weltweit verkauft. Laut IW-Daten übertrafen die Investitionen 2025 den Durchschnitt von 6 Milliarden Euro in den Jahren 2010–2024, und China wurde erneut Deutschlands größter Handelspartner, nach den USA im Jahr 2024.
Neue globale Allianzen
Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche betonte auf einem Energie-Gipfel in Berlin: „Die Welt ist komplexer geworden, alte Partnerschaften brechen nicht zusammen, aber wir müssen auch neue Partner suchen.“ Sie nannte unter anderem Südamerika, Indien, den Nahen Osten, Kanada, Australien und asiatische Länder wie Malaysia als potenzielle Partner.
Vorbereitung auf Krisen
Eine repräsentative IW-Studie mit über 1000 Unternehmen zeigte, dass lediglich 20 % der Firmen Vorsichtsmaßnahmen für potenzielle Störungen der Infrastruktur getroffen haben, und nur eine von zwanzig Unternehmen auf Personalengpässe im Kriegsfall vorbereitet ist. Positiv hervorzuheben ist, dass rund 86 % der Unternehmen Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe implementiert haben.
Die Studie betont: „Ohne einen umfassenden Schutz, der den Wirtschaftssektor einbezieht, bleiben Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten unvollständig.“ Pläne für Notfälle und Krisenmanagement seien ebenso wichtig wie die Kommunikation zwischen Militär, Wirtschaft und Hilfsorganisationen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges galt eine direkte Kriegshandlung gegen Deutschland als nahezu ausgeschlossen – diese Annahme ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 zunehmend obsolet geworden.
Quellen und weiterführende Links:
Weitere Informationen:
Deutsche Autoindustrie Transformation – Rundum News,
Joachim Nagel: Europa und China – Rundum News,
Deutschland Goldreserven und Fed – Rundum News



