Deutsche Bank räumt Fehler im Umgang mit Jeffrey Epstein ein
Die Deutsche Bank hat ihre frühere Geschäftsbeziehung mit dem inzwischen verstorbenen US-Millionär und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erneut als schwerwiegenden Fehler bezeichnet. Ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses erklärte am Montag auf Anfrage, dass die Bank bereits seit dem Jahr 2020 öffentlich anerkenne, Epstein 2013 zu Unrecht als Kunden akzeptiert zu haben.
Geschäftsbeziehung begann 2013
Nach Angaben der Deutschen Bank wurde Epstein im August 2013 Kunde des Instituts. Erst im Dezember 2018 leitete die Bank nach eigenen Worten einen Prozess zur Beendigung der Geschäftsbeziehung ein. Wenige Monate später, im Juli 2019, wurde Epstein in den USA festgenommen.
Der in New York aktive Finanzier hatte über Jahre hinweg ein Netzwerk sexueller Übergriffe betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und auch Minderjährige zum Opfer fielen. Epstein starb 2019 im Alter von 66 Jahren während seiner Untersuchungshaft, noch bevor es zu einer weiteren möglichen Verurteilung kommen konnte.
Über 40 Konten bei der Deutschen Bank
Aus jüngst veröffentlichten Unterlagen des US-Justizministeriums geht laut mehreren Medienberichten hervor, dass Epstein zeitweise mehr als 40 Konten bei der Deutschen Bank unterhielt und dort einen erheblichen Teil seines Vermögens verwahrte. Diese Enthüllungen haben die öffentliche Debatte um die Rolle des Instituts erneut angefacht.
Die „Bild“-Zeitung zitierte am Samstag den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), den Anwalt Klaus Nieding, der eine vollständige Offenlegung der relevanten Finanzunterlagen forderte.
Forderung nach Transparenz vor Hauptversammlung
Nieding betonte, eine klare und lückenlose Aufklärung der damaligen Geschäftsbeziehung sei zwingend erforderlich – insbesondere vor der für den 28. Mai 2026 geplanten Präsenz-Hauptversammlung der Deutschen Bank. Nur so lasse sich weiterer Reputationsschaden durch Spekulationen und Gerüchte vermeiden.
Die Deutsche Bank erklärte dazu, man habe nach Epsteins Festnahme im Juli 2019 umgehend Kontakt zu den zuständigen Behörden aufgenommen und umfassende Unterstützung für die Ermittlungen angeboten.
Interne Reformen und verschärfte Kontrollen
Der Konzern, der im deutschen Leitindex DAX notiert ist, betonte zudem, der gesamte Vorgang sei in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden aufgearbeitet worden. „Die identifizierten Schwachstellen wurden systematisch adressiert“, erklärte der Sprecher.
In der Folge habe die Bank massiv in Schulungen, interne Kontrollmechanismen und operative Prozesse investiert. Insbesondere die Maßnahmen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität seien deutlich verschärft worden.
„Wir bedauern diese frühere Geschäftsbeziehung zutiefst. Die Deutsche Bank hat aus diesem Fehler gelernt“, so der Sprecher weiter.
Auch Konzernchef räumte Versäumnisse ein
Bereits im Juli 2020 hatte Vorstandschef Christian Sewing, der das Amt seit April 2018 innehat, in einem Interview mit dem US-Sender CNBC erklärt, das Institut habe aus dem Fall Epstein klare Konsequenzen gezogen. Damals sprach er von personellen Folgen und einem grundlegenden Lernprozess innerhalb der Bank.



