Christine Lagarde bleibt: EZB-Chefin dementiert Rücktritt

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat intern klargestellt, dass sie weiterhin fest auf ihre Aufgaben konzentriert ist und ihre Kolleginnen und Kollegen persönlich informieren würde, sollte sie einen Rücktritt erwägen. Damit reagierte sie auf Spekulationen, wonach sie ihren Posten vorzeitig verlassen könnte — eine Debatte, die in Europas Finanzkreisen für erhebliche Nervosität sorgt.

Interne Nachricht beruhigt Geldpolitiker

Laut mehreren Quellen versandte Lagarde eine Nachricht an Entscheidungsträger innerhalb der Institution. Der Tenor der Botschaft: Sie denkt aktuell nicht an einen Rücktritt und bleibt ihrer Verantwortung verpflichtet. Beobachter interpretierten dies als klares Signal der Stabilität — wenn auch ohne eine endgültige Garantie für die gesamte verbleibende Amtszeit.

Politische Spekulationen aus Paris

Auslöser der Gerüchte war ein Bericht der Financial Times, wonach Lagarde ihren Posten möglicherweise vor den nächsten französischen Präsidentschaftswahlen räumen könnte. Ein solcher Schritt würde Präsident Emmanuel Macron erheblichen Einfluss auf die Auswahl ihres Nachfolgers geben.

Insider betonen jedoch, dass Lagardes Nachricht an die geldpolitischen Entscheidungsträger genau diese Spekulationen eindämmen sollte. Zwar ließ sie formal offen, dass ein Rücktritt theoretisch möglich bleibt, doch ihre Formulierung deutet darauf hin, dass sie kurzfristig keine entsprechenden Pläne verfolgt.

Amtszeit seit 2019 geprägt von Krisen

Lagarde übernahm den Vorsitz der EZB im November 2019 in Frankfurt, nachdem sie zuvor den Internationalen Währungsfonds (IWF) geleitet hatte. Ihre reguläre Amtszeit beträgt acht Jahre — ein Zeitraum, der die Bedeutung institutioneller Kontinuität in der europäischen Geldpolitik unterstreicht.

Ihre Ernennung war Teil eines politischen Kompromisses zwischen Paris und Berlin: Während Lagarde die Spitze der EZB übernahm, wurde Ursula von der Leyen Präsidentin der Europäischen Kommission — ein Arrangement, das die Machtbalance innerhalb der EU widerspiegelte.

Kaum im Amt, sah sich Lagarde mit einer Reihe außergewöhnlicher Krisen konfrontiert:

  • COVID-19-Pandemie
  • Krieg zwischen Russland und der Ukraine
  • massive Energiepreisschocks
  • globale Lieferkettenstörungen
  • steigende Inflation
  • wirtschaftspolitische Spannungen mit den USA

Inflationsbekämpfung und Zinswende

Unter Lagardes Führung leitete die EZB eine aggressive Zinswende ein, um die Preissteigerungen einzudämmen. Diese Entscheidungen waren politisch heikel: Höhere Zinsen dämpfen zwar Inflation, bremsen aber zugleich Wachstum und erhöhen die Kosten staatlicher Schulden.

Ökonomen bewerten ihre Amtsführung unterschiedlich. Befürworter loben ihre Fähigkeit, die Währungsunion durch mehrere Schocks zu navigieren. Kritiker bemängeln hingegen, dass die Inflation in einigen Ländern der Eurozone weiterhin hoch bleibt.

Potenzielle Nachfolger

Ein Finanz-Panel der Financial Times identifizierte mögliche Kandidaten für eine Nachfolge:

  • Pablo Hernández de Cos, ehemaliger Präsident der Bank von Spanien
  • Klasse Knot, ehemaliger Präsident der niederländischen Zentralbank
  • Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Exekutivrates
  • Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank

Die endgültige Entscheidung liegt beim Europäischen Rat nach Konsultation mit dem Europäischen Parlament und dem EZB-Rat.

Fazit

Lagarde hat mit ihrer internen Nachricht für Klarheit gesorgt und Spekulationen über einen kurzfristigen Rücktritt weitgehend ausgeräumt. Ihre Amtszeit bleibt eine entscheidende Phase für die Stabilität der Eurozone und die geldpolitische Strategie in Europa.


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