Autoindustrie in Deutschland: Vorsichtiger Optimismus trotz Risiken
Die deutsche Automobilbranche blickt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft.
Der vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung erhobene
Geschäftsklimaindex für die Autoindustrie verbesserte sich im Januar
leicht um 0,2 Punkte und liegt nun bei minus 19,6 Punkten.
Damit setzt sich ein vorsichtiger Trend der Stabilisierung fort, auch wenn die
Gesamtstimmung weiterhin angespannt bleibt.
Wie das Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte, resultiert der Stimmungsaufschwung
vor allem aus deutlich verbesserten Erwartungen. Diese legten um
2,8 Punkte zu. Gleichzeitig bewerteten die Unternehmen ihre
aktuelle Geschäftslage kritischer als im Vormonat: Der Lageindex verschlechterte
sich um 2,5 Punkte gegenüber der Dezember-Umfrage.
Eurozone stützt Nachfrage nach deutschen Fahrzeugen
Nach Einschätzung der Ifo-Expertin Anita Wölfel kommt der wichtigste
positive Impuls derzeit aus dem Euroraum. Die Nachfrage aus den europäischen
Nachbarländern erweise sich als stabilisierender Faktor für die deutsche
Autoindustrie, erklärte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt im Exportgeschäft. Die
Exporterwartungen der Unternehmen verbesserten sich kräftig von
minus 8 Punkten auf plus 8,7 Punkte.
Laut Wölfel spielen dabei vor allem der wachsende Handel innerhalb Europas
sowie steigende Auftragseingänge aus EU-Staaten eine zentrale Rolle.
Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas gestärkt
Auch die Einschätzung der eigenen Wettbewerbsposition hat sich innerhalb der
Europäischen Union spürbar verbessert. Der entsprechende Index stieg um
13,9 Punkte und erreichte einen Wert von plus 15,4 Punkten.
Damit bewerten deutsche Autobauer ihre Stellung auf den EU-Märkten so positiv
wie seit Monaten nicht mehr.
Ganz anders stellt sich die Lage jedoch außerhalb Europas dar. In Märkten
außerhalb der EU brach der Wettbewerbsindex um ebenfalls 13,9 Punkte ein
und fiel auf minus 31,3 Punkte. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts
verliert die deutsche Automobilindustrie dort zunehmend an Boden.
China und USA setzen deutsche Hersteller unter Druck
Insbesondere gegenüber chinesischen Herstellern habe sich die
Wettbewerbsposition spürbar verschlechtert, so Wölfel. Aber auch in den
Vereinigten Staaten wächst der Druck auf deutsche Autobauer, die sich
zunehmend mit protektionistischen Maßnahmen und einer starken heimischen
Konkurrenz konfrontiert sehen.
Elektroautos gewinnen wieder an Bedeutung
Parallel zur Entwicklung in der Branche meldete das
Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine erneute Zunahme der
Elektroauto-Zulassungen in Deutschland. Im Januar wurden demnach
42.700 reine Elektrofahrzeuge erstmals zugelassen –
ein Anstieg von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Damit erreichte der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den
Neuzulassungen einen Wert von 22 Prozent. Das entspricht
einem Plus von mehr als fünf Prozentpunkten gegenüber Januar 2025.
Schwacher Gesamtmarkt verzerrt Marktanteile
Nach Einschätzung von Konstantin Gall, Mobilitätsexperte bei der
Beratungsfirma EY, ist dieser hohe Marktanteil jedoch nicht allein
auf eine starke Nachfrage zurückzuführen. Vielmehr spiele die insgesamt
schwache Entwicklung des Automarktes eine entscheidende Rolle.
„Der Anteil der Elektrofahrzeuge liegt in etwa auf dem Niveau des vierten
Quartals 2025“, erklärte Gall. Gleichzeitig habe sich das Wachstum bei den
Neuzulassungen von Elektroautos im Januar spürbar verlangsamt.
Unsicherheit über Förderprogramme bremst Nachfrage
Während im Dezember noch ein kräftiges Wachstum von 63 Prozent
verzeichnet wurde, fiel die Dynamik zu Jahresbeginn deutlich geringer aus.
Als Hauptgrund nennt Gall die anhaltende Unsicherheit über neue staatliche
Förderprogramme für Elektrofahrzeuge.
Viele potenzielle Käufer würden Kaufentscheidungen aufschieben, solange
unklar sei, welche Subventionen künftig gelten und unter welchen Bedingungen
sie gewährt werden.
Neuzulassungen insgesamt rückläufig
Insgesamt verzeichnete der deutsche Automarkt im Januar einen Rückgang.
Laut KBA wurden bundesweit 193.900 neue Pkw zugelassen –
das sind 6,6 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres.
Auffällig ist dabei die hohe Bedeutung gewerblicher Zulassungen: Rund
70 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge entfielen auf
Unternehmen, während private Käufer den kleineren Anteil ausmachten.



