Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Steht die Welt vor einer „Trump-Ordnung“?

Wenn am Freitag die neue Runde der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) beginnt, steht ein Begriff im Mittelpunkt der internationalen Debatte: die sogenannte „Trump-Ordnung“. Gemeint sind die außen- und sicherheitspolitischen Leitlinien von US-Präsident Donald Trump, die nach Einschätzung des aktuellen Sicherheitsberichts der Konferenz maßgeblich zur Neuformierung der globalen Ordnung beitragen.

Der Bericht zeichnet ein Bild einer Welt im Umbruch. Die Vereinigten Staaten – einst Architekt und Garant der liberalen Nachkriegsordnung – würden sich zunehmend von multilateralen Strukturen distanzieren. Stattdessen gewinne eine Politik an Gewicht, die auf nationale Interessen, Machtprojektion und wirtschaftliche Dominanz setzt.

Vom Hüter der Ordnung zum Akteur der Neuvermessung?

Vor rund 80 Jahren waren es die USA, die maßgeblich an der Errichtung internationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen, dem Internationalen Währungsfonds und der NATO beteiligt waren. Diese Institutionen sollten Stabilität, Kooperation und regelbasierte Zusammenarbeit sichern.

Heute jedoch, so heißt es im Bericht, arbeite Washington in Teilen daran, genau diese Ordnung neu zu definieren – oder zumindest ihre Spielregeln grundlegend zu verändern. Der Begriff „Trump-Ordnung“ beschreibt dabei weniger ein formales Konzept als vielmehr eine strategische Haltung: Außenpolitik als Verlängerung innenpolitischer Prioritäten, bilaterale Deals statt multilateraler Verpflichtungen und ein stärkerer Fokus auf ökonomische Hebelwirkung.

Europa zwischen Anpassung und Eigenständigkeit

Die zentrale Frage für Europa lautet daher: Wie soll der Kontinent auf diese veränderte amerikanische Strategie reagieren? In München werden zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie der britische Premierminister Keir Starmer.

Geplant ist unter anderem ein trilaterales Spitzentreffen, bei dem die künftige Ausrichtung der transatlantischen Beziehungen beraten werden soll. Ziel ist es, eine gemeinsame europäische Linie zu entwickeln – insbesondere in Fragen der Verteidigung, der strategischen Autonomie und der wirtschaftlichen Sicherheit.

Die wiederholten Forderungen aus Washington, Europa müsse mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen, haben in den vergangenen Jahren deutlich an Intensität gewonnen. Während frühere US-Regierungen ähnliche Erwartungen formulierten, verbindet die aktuelle Administration diese Forderungen mit konkreten politischen und finanziellen Bedingungen.

Die Ukraine im Fokus der Debatte

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz ist der Krieg in der Ukraine. Laut Sicherheitsbericht seien die von den USA initiierten Verhandlungsformate nicht immer konsistent gewesen. Dies habe in europäischen Hauptstädten die Sorge verstärkt, dass strategische Entscheidungen über die Zukunft der Ukraine ohne ausreichende europäische Einbindung getroffen werden könnten.

Vor diesem Hintergrund bemühen sich europäische Regierungen um eine stärkere Koordinierung ihrer Positionen. Die Einrichtung eines sogenannten „Ukrainischen Hauses“ im Rahmen der Konferenz gilt als sichtbares Zeichen dieser Bemühungen. Dort sollen politische, militärische und wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen gebündelt und abgestimmt werden.

Die Idee einer eigenständigeren europäischen Ukraine-Politik ist eng mit der Debatte um strategische Autonomie verknüpft. Paris und Berlin betonen seit Jahren, Europa müsse in sicherheitspolitischen Kernfragen handlungsfähiger werden – unabhängig davon, wer im Weißen Haus regiert.

Mehr als nur ein transatlantisches Treffen

Rund ein Drittel der europäischen Staats- und Regierungschefs wird in München erwartet. Hinzu kommen zahlreiche Vertreter des US-Kongresses, angeführt vom amerikanischen Außenminister Marco Rubio. Ziel ist es, direkte Gesprächskanäle zu öffnen und Missverständnisse frühzeitig auszuräumen.

Die Konferenz dient jedoch nicht nur als Bühne für transatlantische Abstimmungen. Auch Vertreter aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika nehmen teil. Sie verfolgen mit großem Interesse, wie sich das Machtgefüge zwischen den USA, Europa, China und Russland weiterentwickelt.

Insbesondere Staaten des Globalen Südens beobachten aufmerksam, ob die regelbasierte internationale Ordnung Bestand hat oder ob sich eine stärker machtbasierte Struktur durchsetzt.

Wirtschaftliche Sicherheit als neues Leitmotiv

Neben klassischen Verteidigungsfragen rückt zunehmend die wirtschaftliche Sicherheit in den Mittelpunkt. Lieferketten, Technologiekontrolle, Energieabhängigkeiten und Rohstoffzugang sind längst sicherheitspolitische Faktoren geworden.

Europa steht vor der Herausforderung, seine industrielle Basis zu stärken und zugleich im Wettbewerb mit den USA und China nicht ins Hintertreffen zu geraten. Protektionistische Tendenzen auf beiden Seiten des Atlantiks verschärfen diese Problematik.

Der Begriff „De-Risking“ – also die gezielte Reduzierung strategischer Abhängigkeiten – prägt viele Diskussionsrunden. Dabei geht es weniger um vollständige Entkopplung als um Resilienz und Diversifizierung.

Die Zukunft der NATO

Auch die Rolle der NATO wird intensiv diskutiert. Während das Bündnis nach dem russischen Angriff auf die Ukraine neue Geschlossenheit demonstrierte, werfen veränderte Prioritäten in Washington Fragen auf.

Wird die NATO weiterhin das zentrale Sicherheitsinstrument Europas bleiben? Oder entwickelt sich parallel eine stärkere europäische Verteidigungsarchitektur?

Die Debatte ist sensibel. Einerseits wollen europäische Staaten ihre Fähigkeiten ausbauen, andererseits soll die transatlantische Bindung nicht geschwächt werden.

Innenpolitische Dynamiken in den USA

Der Sicherheitsbericht betont, dass Gespräche mit den USA nicht nur auf die Exekutive beschränkt sein dürfen. Vielmehr sei es wichtig, auch mit Kongressmitgliedern, Thinktanks und zivilgesellschaftlichen Akteuren im Dialog zu bleiben.

Die innenpolitische Polarisierung in den Vereinigten Staaten wirkt sich zunehmend auf außenpolitische Entscheidungen aus. Langfristige strategische Verpflichtungen stehen stärker unter parteipolitischem Vorbehalt als in früheren Jahrzehnten.

Signalwirkung für die Weltordnung

Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 findet somit in einer Phase grundlegender geopolitischer Verschiebungen statt. Ob sich die internationale Ordnung weiter fragmentiert oder neue Kooperationsformen entstehen, hängt maßgeblich von den kommenden Jahren ab.

Für Europa ist klar: Die Zeit passiver Anpassung scheint vorbei. Die Diskussionen in München zeigen, dass der Kontinent bemüht ist, eigene strategische Antworten zu formulieren.

Ob daraus eine kohärente europäische Sicherheitsarchitektur entsteht oder lediglich eine vorsichtige Neujustierung der transatlantischen Beziehungen, bleibt abzuwarten.


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