Deutschland setzt auf Kamikaze-Drohnen für NATO-Ostflanke
Die Bundeswehr plant eine bedeutende Modernisierung ihrer Luftverteidigungsfähigkeiten durch die Anschaffung von hochentwickelten Kamikaze-Drohnen, offiziell als loitering munitions bekannt. Diese unbemannten Luftfahrzeuge sollen insbesondere die NATO-Ostflanke stärken und die militärische Abschreckung gegenüber potenziellen Bedrohungen erhöhen.
Investition in neue Kampfdrohnen
Nach Angaben von Spiegel Online vom 10. Februar 2026 plant das Bundesverteidigungsministerium eine umfangreiche Investition von insgesamt 536 Millionen Euro in Drohnenprojekte der deutschen Firmen Stark Defence und Helsing. Ziel ist die Beschaffung von unbemannten Luftfahrzeugen, die mit Sprengköpfen ausgestattet werden können, während die Bundeswehr bisher lediglich Aufklärungsdrohnen im Einsatz hat.
Die geplanten Anschaffungen erfordern die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestages, da Einzelposten über 25 Millionen Euro parlamentarisch genehmigt werden müssen. Die entsprechenden Dokumente beschreiben Einsatzmöglichkeiten der Drohnen, bei denen diese zunächst ohne festgelegtes Ziel über die Einsatzzone fliegen, bevor das Ziel durch den Drohnenpilot präzise bestimmt wird.
Technische Details der Virtus-Drohne
Die Drohne Virtus von Stark Defence ist in der Lage, senkrecht zu starten und benötigt keine spezielle Startrampe. Laut Joseph Kranaweitfogel, Vizepräsident von Stark Defence, kann die Virtus über 100 Kilometer fliegen und mehr als eine Stunde in der Luft bleiben. Sie ist für den Einsatz gegen gegnerische Panzer, Luftabwehrstellungen und Radarstationen konzipiert und kann in Tests mehr als 800 mm Panzerstahl durchdringen.
HX-2 Drohne von Helsing und KI-Einsatz
Die HX-2 Drohne der Firma Helsing wird von Plattformen mit elektrischer Starttechnik abgefeuert. Die Drohne ist mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, wodurch sie gegen elektronische Störungen resistent ist und Ziele auch unter Bedingungen von Signaljammer präzise verfolgen kann. KI ermöglicht zudem die koordinierte Nutzung mehrerer Drohnen im Schwarm, wodurch die Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitert werden. Jede Drohne wiegt etwa 12 Kilogramm und kann autonom oder halbautonom operieren.
Integration in die NATO-Ostflanke
Die Drohnen werden primär für die Verstärkung der NATO-Ostflanke eingesetzt. Die Bundeswehr plant, die Systeme im 45. Panzergrenadierbataillon zu stationieren, das voraussichtlich 2027 nach Litauen verlegt wird. Ziel ist es, die militärischen Kapazitäten gegenüber möglichen Bedrohungen aus östlicher Richtung zu erhöhen und die Fähigkeit zur schnellen Reaktion auf Angriffe zu stärken.
Planung und Ausbildung
General Christian Freuding, Inspekteur der Bundeswehr, kündigte die Bildung von sechs Drohneneinheiten an, die bis 2029 vollständig einsatzbereit sein sollen. Die erste Batterie mittlerer Reichweite soll 2027 operativ sein, gefolgt von fünf weiteren Einheiten bis 2029. Jede Batterie entspricht in Größe und Personalstärke etwa 60 bis 150 Soldaten.
Die Bundeswehr führt außerdem umfassende Studien zur militärischen Leistungsfähigkeit und zu möglichen Bedrohungen durch Russland durch. Diese Analysen sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein und dienen als Grundlage für die künftige Verteidigungsplanung und -strategie.
Strategische Bedeutung und Herausforderungen
Die Einführung von Kamikaze-Drohnen markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung technologische Modernisierung und europäische Verteidigungsfähigkeit. Die Fähigkeit, Ziele mit hoher Präzision zu treffen, kombiniert mit der Autonomie der Drohnen, erhöht die Flexibilität der Bundeswehr erheblich. Allerdings bestehen Herausforderungen hinsichtlich Ausbildung, Wartung und Integration in bestehende Kommandostrukturen.
Die strategische Bedeutung dieser Drohnen erstreckt sich auch auf die Abschreckung potenzieller Gegner und die Stärkung der europäischen Verteidigungsunion. Insbesondere die Fähigkeit, Drohnen im Schwarm einzusetzen, stellt eine neue Dimension der Kriegsführung dar, die mit herkömmlichen Mitteln schwer zu begegnen ist.
Politische und wirtschaftliche Aspekte
Die milliardenschweren Investitionen in Drohnentechnologie sichern auch Arbeitsplätze in der deutschen Rüstungsindustrie und stärken innovative Start-ups wie Helsing und Stark Defence. Gleichzeitig wird die politische Diskussion über den Einsatz bewaffneter Drohnen geführt, insbesondere hinsichtlich ethischer Fragen und völkerrechtlicher Rahmenbedingungen.
Die Zustimmung des Bundestages ist entscheidend für die Umsetzung der Beschaffung. Die Haushaltsausschüsse prüfen die Kosten-Nutzen-Relation und die strategische Notwendigkeit der Investition, bevor Mittel freigegeben werden können. Deutschland positioniert sich damit als führender Akteur in der europäischen Drohnentechnologie.
Ausblick auf zukünftige Entwicklungen
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie effektiv die Bundeswehr die neuen Drohnensysteme in Ausbildung und Einsatz integriert. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von KI-basierten Funktionen wird entscheidend sein, um die Drohnen gegen elektronische Kriegsführung zu schützen und ihre Zielgenauigkeit zu erhöhen.
Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit innerhalb der NATO und die Abstimmung mit Partnerstaaten wichtig sein, um die Drohnen effektiv in multinationalen Operationen einzusetzen. Die geplanten Investitionen zeigen, dass Deutschland die technologische Souveränität und Verteidigungsfähigkeit Europas ernst nimmt.



