Deutschland: Kleine und Mittlere Unternehmen unter Druck
Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bilden seit Jahrzehnten das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie des Datenanbieters „Datev“ aus Nürnberg, dass diese Firmen in den vergangenen Jahren zunehmendem Druck ausgesetzt waren. Insbesondere stieg die Zahl der Insolvenzen deutlich an – sowohl bei mikrounternehmen ohne Mitarbeiter als auch bei größeren Mittelständlern mit über 100 Beschäftigten. Gleichzeitig nahm ihr Anteil an Gesamtumsatz und Beschäftigung ab.
Nach Angaben der Datev-Analyse machen KMU über 99 % aller mehr als drei Millionen Unternehmen in Deutschland aus. Sie werden typischerweise als Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro definiert. Trotz einer stabilen Unternehmenszahl sank ihr Anteil an den Gesamterlösen von 30,2 % im Jahr 2018 auf 26,2 % im Jahr 2023. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung ging im gleichen Zeitraum auf 53,3 % zurück, während die Bruttowertschöpfung um zwei Prozentpunkte auf 40,9 % fiel.
Die Studie identifizierte erhebliche Insolvenzen in bestimmten Branchen: Besonders betroffen waren Baugewerbe, Gastronomie und verarbeitende Industrie. Kleine Unternehmen bis 100 Mitarbeiter, die 2024 noch starkes Wachstum zeigten, erlebten 2025 ein leichtes Abbremsen. Besonders die mikrounternehmen ohne Personal zeigten alarmierende Ausfallquoten.
Vor diesem Hintergrund drängt Bundeswirtschaftsministerin Katrina Reiche, Maßnahmen zur Entlastung von Unternehmen und Beschäftigten schneller umzusetzen. Sie schlägt vor, die Senkung der Körperschaftsteuer vorzuziehen, damit die positiven Effekte früher sichtbar werden – anstatt bis 2028 zu warten, wie es derzeit geplant ist. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD plant zudem, die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen bis Mitte der Legislaturperiode (voraussichtlich 2027) zu senken, was allerdings mit Milliardenkosten für die Staatskassen verbunden sein dürfte.
Reiche betont, dass die Entlastung der Arbeitnehmer und Unternehmen zu höherer Produktivität führen würde: „Je mehr Menschen arbeiten und je attraktiver die Arbeit ist, desto höher ist die Produktivität in Deutschland, und desto geringer ist die Belastung unserer Sozialsysteme.“ Gleichzeitig lehnte sie Forderungen ab, europäische Fördermittel an die Bedingung zu knüpfen, dass Produktion ausschließlich in Europa erfolgt. Ihrer Ansicht nach sei ein „Abschottungsansatz“ keine Lösung im globalen Wettbewerb.
Die Ministerin fordert vereinfachte Regeln, beschleunigte Investitionsprozesse und einen messbaren Abbau der Bürokratie. Parallel dazu betont sie die Bedeutung starker internationaler Partnerschaften: „Wir bauen auf unsere Stärken und verbinden diese mit vertrauenswürdigen Handelspartnern weltweit, damit Europa wettbewerbsfähig bleibt.“
Anders sieht dies Armand Zorn, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion: Er plädiert für eine aktive Industriepolitik, die auch staatliche Unterstützung für Schlüsselbranchen einschließt, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, insbesondere gegenüber China. Auch der EU-Industriekommissar Stefan Sejorné fordert in diesem Zusammenhang, dass öffentliche Mittel europäische Produktion fördern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen.
Ein weiterer Aspekt ist die Energiewende: Trotz der starken Kapazitätserweiterung erzeugten deutsche Windkraftanlagen 2025 weniger Strom als im Vorjahr. Laut Tennet Germany wurden 132,6 TWh produziert, ein Rückgang von 138,3 TWh im Jahr 2024. Grund hierfür waren weniger günstige Wetterbedingungen. Die Offshore-Windkraft im Ostseeraum lieferte mit sechs Anlagen rund 5,4 TWh Strom, was einem Plus von etwa 10 % gegenüber 2024 entspricht.
In diesem Kontext warnt Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, vor einem wirtschaftlichen Abschwung und einem politischen Rechtsrutsch. Er kritisiert fehlende Anstrengungsbereitschaft in der Bevölkerung und hohe Arbeitskosten in Deutschland. Laut Källenius könnte die deutsche Wettbewerbsfähigkeit nur durch gezielte Senkung von Energie-, Steuer- und Arbeitskosten erhalten bleiben, um Investitionen attraktiv zu machen.
Er betont zudem den Wert von Teilzeitarbeit, insbesondere für Eltern oder Pflegekräfte, als Instrument zur Arbeitsmarktintegration. Gleichzeitig fordert er eine Neuausrichtung der europäischen Industriepolitik: Weg von Einschränkungen und Sanktionen, hin zu marktorientierten Anreizen und massiven Investitionen in Infrastruktur und Schlüsselindustrien.
Insgesamt zeigt die aktuelle Lage, dass Deutschlands KMU in einem komplexen Spannungsfeld aus internationalen Wettbewerbsbedingungen, innerdeutscher Steuerpolitik und Energiewende stehen. Politische Initiativen zielen darauf ab, Entlastungen schneller umzusetzen, die Produktivität zu steigern und Investitionsanreize zu schaffen, während gleichzeitig die europäischen Industrie- und Wirtschaftszusammenhänge gestärkt werden sollen.
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