Deutschland bereitet sich auf mögliches Russland-NATO-Szenario vor
Berlin – Ein neuer sicherheitspolitischer Weckruf erschüttert Europa: Der deutsche General Gerald Funke, Kommandeur des Logistik- und Unterstützungskommandos der Bundeswehr, warnt vor einem möglichen russischen Angriff auf die NATO innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre.
In einem Interview mit der britischen Times zeichnete Funke das Bild eines „Worst-Case-Szenarios“, in dem Deutschland von Beginn an nicht nur als militärischer Akteur, sondern als zentrales logistisches Drehkreuz der Allianz fungieren würde.
Deutschland als logistisches Herz der NATO
Laut Funke wäre Deutschland im Ernstfall bereits in den ersten Stunden eines Konflikts tief involviert. Truppenbewegungen, Nachschub, medizinische Versorgung und Treibstoffversorgung für alliierte Kräfte auf dem Weg nach Osteuropa würden maßgeblich über deutsches Territorium laufen.
Diese Rolle mache das Land zugleich zu einem bevorzugten Ziel gegnerischer Angriffe – sowohl konventionell als auch im Rahmen hybrider Kriegsführung.
Militärische Präsenz wird sichtbar
Wie die Times berichtet, nehmen auch Zivilisten die wachsende militärische Aktivität zunehmend wahr. Großangelegte Manöver wie „Red Storm Bravo“ in Hamburg im September simulierten Szenarien mit Drohnenangriffen und Angriffen auf kritische Infrastruktur während Truppenverlegungen in den Ostseeraum.
Parallel dazu beteiligte sich die Bundeswehr an der internationalen Großübung „Grand Quadriga 2024“ in Litauen, bei der tausende deutsche Soldaten die schnelle Verlegung schwerer Einheiten nach Osteuropa trainierten.
Rückkehr zur Logik des Kalten Krieges
Ein zentraler Punkt in Funkes Analyse ist die Rückbesinnung auf Strukturen aus der Zeit vor 1990. Damals verfügte Westdeutschland über eine halbe Million Soldaten, verpflichtenden Wehrdienst und detaillierte Mobilisierungspläne für Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Heute müsse dieses Denken neu gelernt werden, so der General – insbesondere die Verzahnung von militärischen und zivilen Kapazitäten.
Ohne Zivilgesellschaft keine Verteidigung
„Ohne zivile Unterstützung im Rahmen eines umfassenden Verteidigungskonzepts werden wir uns nicht verteidigen können“, betonte Funke. Dazu zähle die enge Zusammenarbeit mit Bahnunternehmen, Logistikfirmen, Energieversorgern und dem Gesundheitswesen.
Humanitäre und hybride Bedrohungen
Besonders alarmierend sind Funkes Aussagen zu möglichen Verlustzahlen. Die aktuelle Planung gehe von bis zu 1.000 verletzten Soldaten pro Tag aus – eine Dimension, die selbst die Belastung der Afghanistan-Mission weit übersteige.
Hinzu kämen hybride Bedrohungen: Cyberangriffe, Sabotageakte, verdeckte Zellen sowie Langstreckenraketen, die gezielt Verkehrsknotenpunkte, Energieversorgung und Kommunikationsnetze lahmlegen könnten.
Gesundheitssystem am Limit
Um auf ein solches Szenario vorbereitet zu sein, würden zivile Krankenhäuser bereits in Versorgungssektoren eingeteilt – mit Kapazitäten, die selbst jene der Corona-Pandemie übertreffen könnten.
Rechtliche und gesellschaftliche Hürden
Eine der größten Herausforderungen bleibt die rechtliche Dimension: Die Ausrufung des Verteidigungsfalls erfordert eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag – ein politisch sensibles Unterfangen angesichts wachsender Polarisierung und prorussischer Strömungen.
Auch das gesellschaftliche Bewusstsein sei bislang unzureichend, so Funke. Militärische Übungen in Städten dienten daher bewusst der Sensibilisierung der Bevölkerung.
Keine Zeit für Fehler
Abschließend warnte der General davor, sich auf starre Pläne zu verlassen. Flexibilität und Improvisationsfähigkeit seien entscheidend, da Russlands Präsident Wladimir Putin der NATO im Ernstfall keine Zeit zur Neuordnung lassen würde.
Deutschlands Sicherheitsdebatte tritt damit in eine neue Phase ein – geprägt von der Erkenntnis, dass Frieden in Europa nicht länger als Selbstverständlichkeit gelten kann.



