Europa verlangt Erklärungen nach US-Aktion in Venezuela
Die Festnahme des gewählten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte hat eine internationale Welle der Kritik ausgelöst. Vor allem Großbritannien und Deutschland fordern von Washington eine umfassende Erklärung über die rechtliche Grundlage des militärischen Vorgehens in Caracas. Die Aktion wirft grundlegende Fragen zum Völkerrecht, zur staatlichen Souveränität und zur Rolle der Vereinigten Staaten in Lateinamerika auf.
Starmer: Vorgehen der USA „unklar und komplex“
Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte am Montag, dass die Vereinigten Staaten der Weltgemeinschaft erklären müssten, warum sie Maduro festgenommen und in die USA gebracht hätten. Das Vorgehen sei „nicht klar“ und äußerst komplex.
Starmer betonte auf einer Pressekonferenz, Großbritanniens Position sei unverändert:
„Was Venezuela braucht, ist ein friedlicher Übergang zur Demokratie.“
Das Völkerrecht bleibe der Maßstab, an dem das Handeln aller Regierungen gemessen werde – auch das der USA.
Berlin fordert Transparenz von Washington
Auch die Bundesregierung äußerte deutliche Zweifel. Ein Sprecher der deutschen Regierung erklärte, die USA müssten der internationalen Gemeinschaft darlegen, auf welcher rechtlichen Basis die jüngsten Maßnahmen erfolgt seien. Bislang sei eine solche Erklärung ausgeblieben.
Berlin sieht darin nicht nur eine bilaterale Frage, sondern ein internationales Problem mit potenziellen Folgen für die globale Sicherheitsordnung.
US-Vorwurf: Drogen- und Terrorismusdelikte
Die Vereinigten Staaten hatten Maduro am vergangenen Samstag bei einem militärischen Angriff auf Ziele in Venezuela festgenommen. Anschließend wurde er nach New York gebracht, wo ihm unter anderem „drogenbezogener Terrorismus“ zur Last gelegt wird.
Washington rechtfertigt die Aktion mit der nationalen Sicherheit – eine Argumentation, die international jedoch auf Skepsis stößt.
Globale Proteste gegen die US-Intervention
Die Festnahme Maduros führte weltweit zu Protesten. In Deutschland demonstrierten hunderte Menschen in München, Nürnberg, Düsseldorf und Hamburg. Die Kundgebungen verliefen laut Polizei überwiegend friedlich.
Auch in Asien kam es zu Protesten. In Manila und Seoul versammelten sich Demonstranten vor US-Botschaften, trugen Anti-Kriegs-Parolen und forderten die Freilassung Maduros. In der philippinischen Hauptstadt wurden sogar US-Flaggen verbrannt.
Spanien und Belgien: Scharfe Kritik aus Europa
In Spanien kam es in Madrid, Bilbao und Sevilla zu großen Demonstrationen. Vertreter linker Parteien bezeichneten den US-Einsatz als illegalen militärischen Eingriff und sprachen von einem „Ölkrieg“.
Die Vorsitzende der Linkspartei Podemos, Ione Belarra, warf den USA „Staatsterrorismus“ vor und bezeichnete Präsident Donald Trump als größte Bedrohung für die globale Sicherheit.
Auch in Brüssel protestierten hunderte Menschen vor der US-Botschaft gegen das militärische Eingreifen Washingtons.
Macron zwischen Völkerrecht und politischer Realität
Der französische Präsident Emmanuel Macron nahm eine differenzierte Haltung ein. Einerseits erklärte er, Frankreich unterstütze weder die Methode noch den Stil der US-Festnahme Maduros. Andererseits bezeichnete er Maduro offen als Diktator.
Macron betonte, Frankreich verteidige das Völkerrecht und die Freiheit der Völker, sehe aber im Ende der Maduro-Herrschaft eine Chance für einen demokratischen Übergang. Dieser müsse jedoch legitim und im Einklang mit dem Willen des venezolanischen Volkes erfolgen.
Venezuela im geopolitischen Spannungsfeld
Die Ereignisse markieren einen neuen Höhepunkt der Venezuela-Krise. Während einige Staaten das Ende der Maduro-Ära begrüßen, warnen andere vor einem gefährlichen Präzedenzfall, der militärische Interventionen ohne internationales Mandat legitimieren könnte.
Die Forderungen aus Berlin und London zeigen: Europa will sich nicht mit Erklärungen aus Washington zufriedengeben, sondern pocht auf klare Regeln und internationales Recht.
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