Deutsche Waffenexporte brechen 2025 deutlich ein

Analyse. Inmitten der anhaltenden Wirtschaftsflaute in Deutschland zeigt sich ein weiterer Rückgang in einem lange boomenden Sektor: den deutschen Waffenexporten. Nach zwei aufeinanderfolgenden Rekordjahren verzeichnet das Jahr 2025 einen spürbaren Einbruch – mit politischer Sprengkraft.

Rückkehr zur Realität nach Rekordjahren

Wie aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Ulrich Toden hervorgeht, wurden zwischen dem 1. Januar und dem 8. Dezember 2025 Rüstungsexporte im Wert von lediglich 8,30 Milliarden Euro genehmigt. Zum Vergleich: 2024 lag der Wert bei über 13 Milliarden Euro, 2023 bei 12,15 Milliarden.

Damit endet eine Phase außergewöhnlicher Höchststände, die vor allem durch den Ukraine-Krieg und die sogenannte „Zeitenwende“ geprägt war.

Ukraine: Dramatischer Rückgang der Exportzahlen

Besonders auffällig ist der Rückgang der genehmigten Waffenexporte an die Ukraine. Während Deutschland im Vorjahr noch Rüstungslieferungen im Wert von 8,15 Milliarden Euro genehmigte, sank dieser Wert 2025 auf nur noch 1,14 Milliarden Euro.

Diese Zahlen stammen aus einem Schreiben von Staatssekretär Thomas Steffen, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Ministerium verweist auf langfristige Projekte

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums relativierte die Zahlen. Ein Teil der Ukraine-Hilfe basiere auf bereits erteilten Genehmigungen. Zudem flössen Mittel zunehmend in langfristige Projekte, die nicht unmittelbar neue Exportlizenzen erforderten.

Hinzu kommt: Die Ukraine investiert verstärkt in die eigene Rüstungsproduktion – ein strategischer Schritt, der Deutschlands Exportstatistik spürbar beeinflusst.

Politik der Intransparenz

Seit dem Regierungswechsel von einer links-zentristischen zu einer rechts-zentristischen Koalition verzichtet Berlin auf eine detaillierte Veröffentlichung der Waffenlieferungen an Kiew. Die offizielle Begründung: Russland solle über Umfang und Art der Unterstützung im Unklaren bleiben.

Kritiker sprechen hingegen von einem bewussten Abbau parlamentarischer Kontrolle.

Norwegen und Türkei rücken nach vorne

Trotz des Rückgangs bleibt die Ukraine der drittgrößte Empfänger deutscher Rüstungsgüter. Davor liegen Norwegen mit Exporten im Wert von 1,31 Milliarden Euro sowie die Türkei mit 726 Millionen Euro.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Verhältnis zur Türkei. Nach dem Militäreinsatz Ankaras in Syrien 2016 waren deutsche Waffenexporte fast eingefroren. Doch 2024 stiegen sie wieder deutlich an.

Eurofighter als politisches Signal

Im Juli 2025 genehmigte die Bundesregierung erstmals seit Jahren wieder den Export von „Eurofighter“-Kampfjets an die Türkei – ein Schritt, der weithin als Symbol für einen strategischen Kurswechsel interpretiert wird.

Fazit: Zeitenwende mit Ablaufdatum?

Der Einbruch der Waffenexporte wirft grundlegende Fragen auf. War die deutsche Rüstungs-Offensive lediglich eine Reaktion auf den Ukraine-Krieg – oder der Beginn einer nachhaltigen sicherheitspolitischen Neuausrichtung?

Die Zahlen von 2025 deuten darauf hin, dass die vielbeschworene Zeitenwende schneller an ihre Grenzen stößt als erwartet.


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