Rente, Migration und Wehrpflicht: Deutschlands politisches Krisenjahr 2026
Das Jahr 2026 kündigt sich als eines der angespanntesten innenpolitischen Jahre Deutschlands an.
Zentrale gesellschaftliche Fragen wie Rentenreformen, Migration, Wehrpflicht und der mögliche
Durchbruch der AfD bei Landtagswahlen dominieren bereits jetzt die politische Debatte.
Rentenreform: Ruhe bis 2031 – und dann?
Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat Anfang Dezember eine der schwierigsten innenpolitischen
Baustellen zunächst entschärft. Nach monatelangen Diskussionen verabschiedete der Bundestag
eine Rentenreform, die das aktuelle Rentenniveau bis 2031 stabilisiert.
Doch diese Atempause ist begrenzt. Eine Expertenkommission soll bis Mitte 2026 grundlegende
Vorschläge für die Zeit danach vorlegen. Dabei stehen heikle Fragen im Raum:
eine mögliche Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre oder gar die Abschaffung eines festen
Renteneintrittsalters.
Der Ökonom Jens Südekum plädiert für ein Modell, bei dem die Zahl der Arbeitsjahre entscheidend ist.
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete diesen Ansatz als „durchaus prüfenswert“ und sprach
von einem notwendigen umfassenden Umbau des Systems.
Milliardenlast für den Staat
Im Bundeshaushalt 2026 schlagen die Rentenausgaben mit rund 128 Milliarden Euro zu Buche –
fast ein Viertel des gesamten Etats. Besonders junge Abgeordnete aus dem konservativen Lager
fordern deshalb tragfähige Lösungen für kommende Generationen.
Wehrpflicht: Freiwilligkeit auf dem Prüfstand
Auch die Sicherheits- und Verteidigungspolitik rückt stärker in den Fokus.
Ab 2026 erhalten alle jungen Menschen nach ihrem 18. Geburtstag Post vom Staat.
Während Männer zur Rückmeldung verpflichtet sind, bleibt sie für Frauen freiwillig.
Ein verpflichtender Gesundheitscheck ist jedoch vorgesehen.
Ziel der Regierung ist es, die Bundeswehr von derzeit rund 184.000 Soldaten auf bis zu
270.000 innerhalb der nächsten zehn Jahre aufzustocken. Zusätzlich sollen 200.000 Reservisten
verfügbar sein.
Sollte sich zeigen, dass nicht genügend Freiwillige gewonnen werden können, könnte die seit 2011
ausgesetzte Wehrpflicht erneut auf die politische Agenda zurückkehren.
AfD vor historischem Durchbruch?
Besonders brisant ist der Blick auf Ostdeutschland. Bei den Landtagswahlen 2026 in
Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erreicht die AfD in aktuellen Umfragen
bis zu 40 Prozent.
Ein Wahlsieg der Partei würde die demokratischen Parteien vor eine Zerreißprobe stellen.
Insbesondere die CDU steht unter Druck, ihr Versprechen einer klaren Abgrenzung zur AfD
auch dann einzuhalten, wenn diese stärkste Kraft wird.
Härtere Migrationspolitik geplant
Die Migrationsfrage bleibt ein weiteres zentrales Konfliktfeld. Innenminister Alexander Dobrindt
vertritt seit Amtsantritt eine deutlich restriktivere Linie. Mehr Zurückweisungen an den Grenzen
und strengere Sanktionen für ausreisepflichtige Personen sind geplant.
Parallel dazu einigten sich die EU-Innenminister auf eine Verschärfung der gemeinsamen Asylpolitik,
inklusive möglicher Rückführungszentren außerhalb der EU.
Klimapolitik: Neuer Streit programmiert
Auch die Klimapolitik birgt Konfliktpotenzial. Die EU strebt bis 2040 eine Reduktion der
Treibhausgase um 90 Prozent an. Umweltminister Carsten Schneider sieht darin einen historischen
Schritt, während Wirtschaftsministerin Katharina Reiche stärker auf Gaskraftwerke setzt.
Kritik kommt unter anderem von Greenpeace, das vor einer Rückkehr zu fossilen Energien warnt
und sofortige Maßnahmen in Verkehr und Wohnungsbau fordert.
Fazit: Ein Jahr voller politischer Belastungsproben
Ob Rente, Migration, Klimaschutz oder der Umgang mit der AfD – 2026 wird die deutsche
Innenpolitik auf eine harte Probe stellen. Die kommenden Monate dürften entscheidend dafür sein,
ob die Regierung Stabilität bewahren oder in dauerhafte Konflikte geraten wird.



