Boykott-Debatte um WM 2026: Deutschland weist Trump-Kritik zurück
Berlin – Mit dem näher rückenden Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat sich eine hitzige Debatte an der Schnittstelle von Sport und Politik entfacht. Forderungen nach einem Boykott des Turniers, das gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet wird, sorgen europaweit für Diskussionen. Nun hat die Bundesregierung ihre Position eindeutig klargestellt.
Die deutsche Regierung erklärte am Mittwoch, dass ein Boykott der Weltmeisterschaft kein geeignetes Mittel sei, um Kritik an der Politik von US-Präsident Donald Trump zu äußern. Regierungssprecher Steffen Meyer betonte auf einer Pressekonferenz: „Politische Auseinandersetzungen gehören in die politische Arena – der Sport sollte Sport bleiben.“
Klare Absage an einen WM-Boykott
Auch Bundesministerin für Sport Kristian Schinderlein bekräftigte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass Berlin eine Teilnahme Deutschlands an der WM 2026 nicht infrage stellt. Sie warnte davor, internationale Sportereignisse für politische Symbolhandlungen zu instrumentalisieren.
Zudem verwies die Ministerin darauf, dass die Weltmeisterschaft nicht ausschließlich in den Vereinigten Staaten stattfinde. „Kanada und Mexiko sind gleichberechtigte Gastgeber. Ein pauschaler Boykott würde der Realität dieses Turniers nicht gerecht“, sagte sie.
Ursprung der Spannungen: Handel, Migration und Sicherheit
Die Debatte hatte sich vor allem zu Beginn des Jahres 2026 zugespitzt. Damals hatte Schinderlein eine Boykottprüfung nicht ausgeschlossen, als die diplomatischen Spannungen zwischen Europa und Washington ihren Höhepunkt erreichten.
Zu den zentralen Streitpunkten zählten unter anderem Trumps umstrittene Äußerungen zur möglichen Kontrolle über Grönland, neue Strafzölle gegen europäische Staaten sowie Bedenken hinsichtlich der US-amerikanischen Migrations- und Sicherheitspolitik, insbesondere im Umgang mit Demonstrationen und Minderheiten.
Chronologie der Eskalation
- Januar 2026: Verschärfung der politischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und der EU.
- Februar 2026: Erste Forderungen aus dem Europäischen Parlament nach sportlichen Sanktionen.
- Februar 2026: Klare Positionierung Deutschlands gegen einen Boykott der WM.
Druck aus Europa – FIFA bleibt hart
Nach Berichten des Magazins Der Spiegel forderten einzelne Europaabgeordnete die UEFA auf, mögliche Konsequenzen gegenüber den USA zu prüfen. Auch der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter äußerte sich kritisch und riet zeitweise von Reisen in die Vereinigten Staaten ab.
Der amtierende FIFA-Präsident Gianni Infantino wies Boykottforderungen jedoch entschieden zurück. Politisch motivierte Ausschlüsse würden „nicht zur Lösung von Konflikten beitragen“, sondern lediglich die verbindende Kraft des Fußballs schwächen, erklärte er.
Deutschlands WM-Tradition bleibt unangetastet
Die deutsche Nationalmannschaft zählt zu den erfolgreichsten Teams der WM-Geschichte und hat seit 1950 an jeder Endrunde teilgenommen. Vier Weltmeistertitel unterstreichen die besondere Bedeutung des Turniers für den deutschen Fußball.
Die Bundesregierung betonte daher erneut die Unabhängigkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Entscheidung über eine Teilnahme liege allein beim Verband – politische Weisungen seien nicht vorgesehen.
Sport als Brücke statt Kampffeld
Mit ihrer klaren Haltung setzt die Bundesregierung auf Trennung von Politik und Sport. Während die Kritik an der US-Politik bestehen bleibt, soll die Weltmeisterschaft 2026 aus deutscher Sicht kein Schauplatz diplomatischer Konfrontation werden.
Ob andere europäische Staaten diesem Kurs folgen oder die Boykottdebatte erneut aufflammt, dürfte maßgeblich vom weiteren politischen Kurs Washingtons abhängen.



