Ukraine greift russische Energieinfrastruktur mit Storm Shadow an

Die ukrainischen Streitkräfte haben am Donnerstag ihre Angriffe auf strategische Energieziele in Russland deutlich ausgeweitet. Nach Angaben aus Kiew kamen dabei britische Storm-Shadow-Marschflugkörper sowie selbst entwickelte Langstrecken-Drohnen zum Einsatz. Ziel waren mehrere Öl- und Gasanlagen tief im russischen Hinterland.

Ukrainische Militär- und Sicherheitskreise bestätigten, dass diese Angriffe Teil einer gezielten Strategie seien, um die wirtschaftliche und logistische Basis Moskaus im andauernden Krieg zu schwächen.

Raffinerie in Rostow schwer getroffen

Der ukrainische Generalstab erklärte, dass die Luftwaffe die Ölraffinerie Nowoschachtinsk in der russischen Region Rostow bombardiert habe. Über den Kurznachrichtendienst Telegram hieß es, mehrere Explosionen seien registriert worden und das Ziel habe erheblichen Schaden genommen.

Die Raffinerie zählt zu den wichtigsten Lieferanten von Diesel und Flugtreibstoff für russische Truppen im Süden des Landes und spielt eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Streitkräfte an der Front.

Drohnenangriffe bis 1.400 Kilometer ins Landesinnere

Parallel dazu meldete der ukrainische Geheimdienst erfolgreiche Drohnenangriffe auf Öllager im Hafen von Temrjuk in der Region Krasnodar sowie auf eine große Gasverarbeitungsanlage im Gebiet Orenburg. Letztere liegt rund 1.400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und gilt als eine der größten Anlagen dieser Art weltweit.

Russische Behörden bestätigten Brände in mindestens zwei Treibstofftanks im Hafen von Temrjuk infolge der Drohnenattacken.

Energieanlagen rücken zunehmend ins Visier

Mit dem Beginn des vierten Kriegsjahres intensivieren sowohl Moskau als auch Kiew ihre Angriffe auf kritische Infrastruktur. Besonders seit August setzt die Ukraine verstärkt auf Schläge gegen russische Raffinerien und Energieanlagen, um die Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport zu reduzieren – eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des russischen Kriegsapparates.

Diplomatische Gespräche zwischen Kiew und Washington

Während die Kämpfe weiter eskalieren, laufen im Hintergrund diplomatische Bemühungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, er habe am Donnerstag ein ausführliches Telefongespräch mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner geführt.

Selenskyj sprach von einer „sehr guten und konstriven Unterhaltung“ und betonte, dass mehrere Ideen diskutiert worden seien, die zu einem dauerhaften Frieden beitragen könnten. Er äußerte die Hoffnung, dass die Gespräche gerade in der Weihnachtszeit positive Impulse setzen.

Neue US-Friedensinitiative ohne NATO-Verzicht

Bereits am Mittwoch hatte Selenskyj eine überarbeitete Version des amerikanischen Friedensplans vorgestellt. Dieser sieht einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinien vor, ohne jedoch eine endgültige Lösung für die von Russland besetzten Gebiete zu erzwingen, die derzeit etwa 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets ausmachen.

Im Unterschied zu früheren Entwürfen verzichtet der neue Plan auf zwei zentrale Forderungen Moskaus: den Rückzug ukrainischer Truppen aus Teilen des Donbass sowie eine rechtlich bindende Zusage Kiews, nicht der NATO beizutreten.

Russland prüft US-Dokumente

Der Kreml reagierte zurückhaltend. Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland prüfe derzeit die aus den USA übermittelten Dokumente, die der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew nach Moskau gebracht habe.

Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sprach von einem „langsamen, aber stetigen Fortschritt“ in den Gesprächen mit Washington. Zugleich warf sie westlichen europäischen Staaten vor, diesen Prozess aktiv zu behindern.

Zwischen Eskalation und Verhandlung

Die jüngsten Ereignisse zeigen erneut die widersprüchliche Dynamik des Krieges: Während auf militärischer Ebene eine weitere Eskalation stattfindet, versuchen beide Seiten parallel, diplomatische Spielräume auszuloten. Ob daraus ein belastbarer Weg zu einem Waffenstillstand entsteht, bleibt offen.

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