Trump drängt auf Kriegsende, Russland eskaliert: Die Ukraine zwischen Diplomatie, Winter und Zerstörung

Washington / Kiew / Moskau / Abu Dhabi – Der Krieg in der Ukraine ist in sein viertes Jahr eingetreten, ohne dass ein Ende absehbar wäre. Während auf diplomatischer Ebene neue Gesprächsrunden vorbereitet werden, verschärft sich die militärische Realität vor Ort erneut dramatisch. US-Präsident Donald Trump hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin öffentlich aufgefordert, den Krieg zu beenden – zeitgleich intensiviert Moskau seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Millionen Zivilisten geraten damit erneut in existenzielle Not, mitten im kältesten Winter seit Beginn der Invasion.

Trumps Appell an Putin

Im Oval Office reagierte Präsident Donald Trump auf eine Frage eines Journalisten der Agence France-Presse mit ungewohnter Direktheit. Er wolle, so Trump, dass Putin den Krieg beende. Diese Aussage folgte unmittelbar auf Berichte über erneute russische Luftangriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte, nachdem eine einwöchige Aussetzung der Angriffe auf Energieanlagen ausgelaufen war.

Trump räumte ein, dass er sich eine Verlängerung dieser Pause gewünscht hätte. Zugleich betonte er jedoch, Putin habe sein Wort gehalten, die Angriffe für sieben Tage einzustellen. In einem Land, in dem Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius herrschen, sei selbst eine Woche von enormer Bedeutung. Jede Stunde ohne Strom und Heizung könne über Leben und Tod entscheiden.

Russlands Rückkehr zur Eskalation

Kaum war die vereinbarte Frist abgelaufen, meldeten ukrainische Behörden eine neue Welle massiver Angriffe. In der Nacht wurden mehr als 400 Drohnen und Dutzende Raketen eingesetzt, die sich gezielt gegen Kraftwerke, Umspannwerke und Heizkraftwerke richteten. Nach Angaben aus Kiew handelte es sich um den schwersten Angriff auf die Energieinfrastruktur seit Beginn des Jahres.

Besonders betroffen waren die Hauptstadt Kiew sowie die Regionen Charkiw, Dnipro, Sumi und Saporischschja. In zahlreichen Städten fiel die Stromversorgung vollständig aus, Heizsysteme brachen zusammen, Reparaturteams mussten ihre Arbeiten abbrechen, da neue Einschläge die Sicherheit unmöglich machten.

Der Winter als strategische Waffe

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach offen davon, dass Russland den Winter gezielt als Waffe einsetze. In sozialen Netzwerken schrieb er, Moskau ziehe es vor, die kältesten Tage des Jahres zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung zu nutzen, anstatt ernsthaft auf diplomatische Lösungen einzugehen. Die Angriffe seien nicht nur militärisch motiviert, sondern auch psychologisch – sie zielten darauf ab, den Widerstand der Gesellschaft zu brechen.

Internationale Hilfsorganisationen warnen seit Wochen vor einer humanitären Eskalation. Hunderttausende Menschen seien ohne stabile Wärmeversorgung, Krankenhäuser arbeiteten mit Notstromaggregaten, Altenheime und Schulen stünden vor dem Kollaps. Besonders Kinder und ältere Menschen seien akut gefährdet.

Russische Rechtfertigung

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe und sprach von einer „umfangreichen Präzisionsoperation“ gegen Einrichtungen des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes. Energieanlagen würden laut Moskau militärische Ziele darstellen, da sie der Versorgung der ukrainischen Armee dienten. Zivile Opfer erwähnte die Erklärung nicht.

Gleichzeitig warf Russland der Ukraine vor, ihrerseits Energieinfrastruktur auf russischem Gebiet anzugreifen. In der Grenzregion Belgorod kam es zu Stromausfällen, für die Moskau ukrainische Drohnen verantwortlich machte. Beide Seiten beschuldigen sich damit gegenseitig, die zivile Versorgung gezielt zu sabotieren.

NATO und westliche Reaktionen

NATO-Generalsekretär Mark Rutte äußerte sich während eines Besuchs in Kiew ungewöhnlich scharf. Die fortgesetzten Angriffe Russlands seien kein Signal ernsthafter Friedensbereitschaft. Während seines Aufenthalts heulten in der Hauptstadt die Luftalarmsirenen, Explosionen waren in mehreren Stadtteilen zu hören. Für viele Ukrainer wurde der diplomatische Besuch so zum Symbol der Diskrepanz zwischen politischen Erklärungen und militärischer Realität.

Auch europäische Staaten warfen Moskau vor, bewusst eine humanitäre Krise zu provozieren. Mehrere Regierungen kündigten zusätzliche Hilfspakete an, darunter Generatoren, mobile Heizsysteme und Notunterkünfte.

Abu Dhabi als neuer Verhandlungsort

Trotz der Eskalation startete in Abu Dhabi die zweite Runde direkter Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow erklärte, sein Land strebe einen gerechten und dauerhaften Frieden an, der auf der territorialen Integrität der Ukraine basiere.

Auf amerikanischer Seite nehmen der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Jared Kushner, Schwiegersohn des Präsidenten, an den Gesprächen teil. Washington versucht damit, eine vermittelnde Rolle einzunehmen, ohne formell als Kriegspartei aufzutreten.

Unüberbrückbare Positionen

Doch die Gräben bleiben tief. Russland fordert den Rückzug ukrainischer Truppen aus Teilen des Donbass sowie die Anerkennung der aktuellen territorialen Realität. Kiew lehnt dies kategorisch ab und besteht auf einem vollständigen Abzug russischer Truppen. Eine mögliche Kompromisslösung, etwa ein Einfrieren der Frontlinien, stößt in der ukrainischen Bevölkerung auf breite Ablehnung.

Besonders sensibel ist der Status des Atomkraftwerks Saporischschja, das größte in Europa und derzeit unter russischer Kontrolle. Beide Seiten sehen darin einen strategischen Schlüsselpunkt – militärisch, politisch und symbolisch.

Die Perspektive der Bevölkerung

Abseits der großen Politik zeigt sich der Krieg im Alltag der Menschen. In Saporischschja berichteten Anwohner von Nächten in unbeheizten Wohnungen, von improvisierten Kochstellen und vom ständigen Dröhnen der Drohnen am Himmel. In Charkiw erzählten Eltern, dass ihre Kinder seit Wochen keinen regulären Schulunterricht mehr hätten.

Eine ältere Frau, die aus einem Dorf nahe der Frontlinie fliehen musste, fasste ihre Situation mit einfachen Worten zusammen: Ihr Leben passe nun in eine Tasche mit Hilfsgütern. Ihr Haus existiere nicht mehr, die Rückkehr sei ein ferner Traum.

Mediale und digitale Debatten

Die neuen Angriffe haben auch in sozialen Netzwerken eine intensive Debatte ausgelöst. Viele Nutzer werfen beiden Seiten vor, die Zivilbevölkerung als Druckmittel zu missbrauchen. Andere kritisieren die internationale Gemeinschaft, die zwar verhandle, aber das Leid nicht stoppen könne.

Der Krieg ist damit längst nicht mehr nur ein militärischer Konflikt, sondern auch ein Kampf um Narrative, Moral und Durchhaltewillen.

Ein Krieg ohne klare Perspektive

Militäranalysten schätzen, dass Russland derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums kontrolliert. Trotz hoher Verluste kommt Moskau nur langsam voran. Gleichzeitig fehlt Kiew zunehmend schwere Ausrüstung, da westliche Lieferungen langsamer eintreffen als in den ersten Kriegsjahren.

US-Präsident Trump deutete an, dass es „positive Nachrichten“ geben könne, ohne ins Detail zu gehen. In Kiew begegnet man solchen Aussagen mit Skepsis. Zu oft seien diplomatische Hoffnungen von neuen Angriffen zunichtegemacht worden.

Fazit

Der Krieg in der Ukraine befindet sich an einem gefährlichen Wendepunkt. Während in klimatisierten Konferenzräumen über Frieden gesprochen wird, frieren Millionen Menschen in dunklen Wohnungen. Trumps Appell an Putin markiert einen politischen Akzent, doch auf dem Schlachtfeld zählt weiterhin rohe Gewalt.

Ob die Gespräche in Abu Dhabi mehr sind als ein weiteres diplomatisches Zwischenspiel, wird sich erst zeigen. Bis dahin bleibt der Winter für viele Ukrainer nicht nur eine Jahreszeit, sondern eine existentielle Bedrohung – und der Frieden ein fernes Versprechen.

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