Selenskyj warnt vor Billionen-Deals zwischen USA und Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Samstag vor umfassenden wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten gewarnt, deren Volumen laut Geheimdienstinformationen bis zu zwölf Billionen US-Dollar erreichen soll. Nach seinen Angaben könnten diese Abkommen direkte Auswirkungen auf die Ukraine haben – ohne deren Beteiligung.

„Dmitriew-Paket“ als Grundlage wirtschaftlicher Kooperation

Selenskyj erklärte, ukrainische Nachrichtendienste hätten ihm Dokumente vorgelegt, die den Rahmen einer möglichen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau beschreiben. Dieses Konzept trage den Namen „Dmitriew-Paket“ – benannt nach Kirill Dmitriew, dem Leiter des russischen Staatsfonds und einem engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin.

Dmitriew gilt als Schlüsselfigur in inoffiziellen Kontakten rund um eine mögliche Waffenruhe. Laut der Washington Post sollen Teile der geplanten Wirtschaftsabkommen auch politische Fragen berühren, die die Zukunft der Ukraine betreffen.

Kiew lehnt Abkommen ohne eigene Beteiligung ab

Der ukrainische Präsident stellte klar, dass sein Land keinerlei Vereinbarungen akzeptieren werde, die ohne ukrainische Mitsprache geschlossen werden. „Jede Entscheidung über unsere wirtschaftliche oder politische Zukunft muss unter unserer direkten Beteiligung erfolgen“, betonte Selenskyj.

US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit angedeutet, Sanktionserleichterungen und wirtschaftliche Kooperationen könnten Moskau zu einem Kriegsende bewegen.

Neue Gespräche in Miami geplant

Selenskyj bestätigte zudem, dass er einer amerikanischen Bitte entsprochen habe, eine ukrainische Verhandlungsdelegation in der kommenden Woche nach Miami zu entsenden. Dort sollen neue Gespräche unter Aufsicht von Vertretern der US-Regierung stattfinden.

Washington strebe demnach ein Ende des Krieges bis spätestens Juni an. Selenskyj geht davon aus, dass die USA den Druck auf alle Beteiligten entsprechend erhöhen werden.

US-Innenpolitik als entscheidender Faktor

Ein zentrales Motiv der amerikanischen Diplomatie seien laut Selenskyj die bevorstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress im November. Innenpolitische Stabilität spiele für Washington eine zunehmend wichtige Rolle.

Nach Informationen von Reuters wird zudem ein mögliches Abkommen bis März diskutiert, gefolgt von nationalen Wahlen und einem Referendum über einen Friedensvertrag im Mai.

Angriffe auf Energieinfrastruktur verschärfen humanitäre Krise

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen setzt Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort. Besonders betroffen sind Kraftwerke, Umspannwerke sowie Übertragungsleitungen in mehreren Regionen des Landes.

Nach ukrainischen Angaben wurden nahezu sämtliche konventionellen Kraftwerke beschädigt oder zerstört. Die Ukraine ist inzwischen stark auf ihre verbliebenen drei Atomkraftwerke angewiesen, die bis zu 85 Prozent des Strombedarfs decken.

Gefahr für nukleare Sicherheit

Internationale Besorgnis äußerte auch IAEA-Chef Rafael Grossi, der vor erheblichen Risiken für die nukleare Sicherheit warnte. Angriffe auf Umspannwerke könnten indirekt die Stabilität von Atomreaktoren gefährden.

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind gravierend: Millionen Menschen leiden unter Strom-, Wasser- und Heizungsausfällen – bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.

Auswirkungen auf Friedensverhandlungen

Die ukrainische Politologin Maria Solkina sieht in den Energieangriffen keinen Weg zu einer Annäherung. Russland strebe strategische Zugeständnisse an und wolle die Ukraine von westlichen Bündnissen fernhalten.

Die russische Analystin Elena Suponina hingegen erklärte, die militärische Eskalation beeinträchtige die Gespräche bislang nicht entscheidend, könne jedoch bei weiterer Intensivierung den Friedensprozess gefährden.

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