Russischer Vormarsch zwingt Ukraine zu massiven Evakuierungen

Die ukrainischen Behörden haben am Freitag die Zwangsevakuierung tausender Zivilisten aus dutzenden Ortschaften in den Regionen
Saporischschja und Dnipropetrowsk angeordnet. Hintergrund ist der anhaltende militärische Vormarsch russischer Truppen entlang neuer
Frontabschnitte im Südosten des Landes.

Zwangsevakuierung von Kindern und Familien

Der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba erklärte über den Messengerdienst Telegram, dass angesichts der angespannten
Sicherheitslage mehr als 3.000 Kinder gemeinsam mit ihren Familien aus insgesamt 44 frontnahen Dörfern evakuiert würden.
Die betroffenen Ortschaften liegen direkt an den aktuellen Gefechtslinien.

Bereits in den letzten Tagen des vergangenen Dezembers seien ähnliche Evakuierungsmaßnahmen in der nördlichen Region Tschernihiw
durchgeführt worden, so Kuleba weiter.

Nach offiziellen Angaben wurden seit dem 1. Juni 2025 landesweit rund 150.000 Menschen aus Kampfgebieten in sicherere Landesteile
gebracht, darunter etwa 18.000 Kinder.

Neue Dynamik an der Front

Die aktuellen Evakuierungen verdeutlichen die veränderte militärische Lage. Während sich die schwersten Kämpfe in den vergangenen
Jahren vor allem auf die ostukrainische Region Donezk konzentrierten, verzeichnen russische Truppen inzwischen auch Fortschritte
in bislang weniger umkämpften Gebieten.

Besonders brisant ist die Entwicklung in der Region Dnipropetrowsk, in die russische Einheiten erstmals im Sommer 2025 vordrangen.
Auch in Saporischschja, wo die Frontlinie lange Zeit weitgehend stabil geblieben war, wächst der Druck auf ukrainische Stellungen.

Raketenangriff auf Charkiw

Parallel zu den Evakuierungen meldeten ukrainische Behörden am Freitag mindestens 19 Verletzte nach einem russischen Angriff auf
Wohngebäude in der Großstadt Charkiw. Unter den Verletzten befindet sich auch ein sechs Monate altes Baby.

Augenzeugenberichte und Bilder vom Ort des Geschehens zeigen beschädigte Hochhäuser, ausgebrannte Trümmerfelder sowie Feuerwehrkräfte,
die gegen die Flammen ankämpften.

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als „abscheulich“ und erklärte, ersten Erkenntnissen zufolge seien zwei Raketen
in ein ziviles Wohngebiet eingeschlagen. Trotz diplomatischer Bemühungen setze Russland seine Angriffe auf die Zivilbevölkerung fort.

Russland weist Verantwortung zurück

Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück und erklärte, es habe keinen Raketenangriff auf Charkiw gegeben.
Die Schäden seien mutmaßlich durch die Explosion ukrainischer Munition verursacht worden.

Zugleich warf Moskau Kiew vor, mit diesen Berichten von einem Angriff auf ein Hotel und ein Café in einem russisch kontrollierten
Gebiet in der Region Cherson ablenken zu wollen. Dort kamen nach russischen Angaben inzwischen 28 Menschen ums Leben.

Russlands größte Geländegewinne seit 2022

Eine Analyse der Nachrichtenagentur AFP zeigt, dass Russland im Jahr 2025 größere territoriale Gewinne in der Ukraine erzielt hat
als in jedem anderen Jahr seit Beginn des Krieges – mit Ausnahme des Jahres 2022.

Demnach brachte die russische Armee im vergangenen Jahr mehr als 5.600 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums unter ihre Kontrolle.
Diese Fläche übersteigt die Geländegewinne der beiden Vorjahre zusammen, bleibt jedoch deutlich unter den rund 60.000 Quadratkilometern,
die Russland im ersten Kriegsjahr besetzte.

Die Ukraine geriet 2025 sowohl militärisch als auch durch anhaltenden Raketenbeschuss massiv unter Druck und musste in mehreren
Abschnitten Gelände aufgeben.

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