Absturz nahe Ankara: Deutschland lehnt Blackbox-Analyse ab

Nach dem Absturz des libyschen Militärflugzeugs Falcon 50 nahe der türkischen Hauptstadt Ankara sorgt eine Entscheidung Deutschlands für neue Fragen. Wie die arabischsprachige Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hat Berlin eine Untersuchung der Blackbox abgelehnt – aus technischen Gründen.

Technische Grenzen statt politischer Gründe

Das libysche Innenministerium der Einheitsregierung in Tripolis erklärte unter Berufung auf die türkische Ermittlungsbehörde, Deutschland verfüge nicht über die notwendigen technischen Kapazitäten, um die Daten dieses speziellen Flugzeugtyps auszuwerten. Zuvor war öffentlich davon ausgegangen worden, dass die Blackbox zur Analyse nach Deutschland gebracht werde.

Die Absage erfolgte offiziell am Freitag, dem 26. Dezember 2025, und wurde sowohl der libyschen als auch der türkischen Seite mitgeteilt.

Vier Alternativen – Einigung auf Großbritannien

Nach Angaben des Ministeriums standen vier weitere Staaten zur Auswahl, die technisch in der Lage gewesen wären, die Auswertung zu übernehmen. In enger Abstimmung zwischen der libyschen Untersuchungskommission, der türkischen Luftfahrtbehörde sowie den Generalstaatsanwaltschaften beider Länder fiel die Entscheidung schließlich einstimmig auf Großbritannien.

London gilt dabei als neutrale Instanz, um eine transparente und international akzeptierte Untersuchung sicherzustellen.

Ermittlungen vor Ort in der Türkei

Die libysche Untersuchungskommission befindet sich seit zwei Tagen in der Türkei. Sie besuchte unter anderem das zentrale Lagezentrum der türkischen Gendarmerie, um sich ein detailliertes Bild der Maßnahmen seit dem Eingang der Unglücksmeldung zu machen.

Identifizierung der Opfer abgeschlossen

Zudem bestätigte die türkische Gerichtsmedizin den erfolgreichen Abschluss der DNA-Analysen. Die sterblichen Überreste der Opfer wurden eindeutig identifiziert, nachdem Proben mit denen der Angehörigen abgeglichen worden waren.

Auf dieser Grundlage wurde beschlossen, die Leichname am Samstag, dem 27. Dezember 2025, nach Tripolis zu überführen.

Tödlicher Absturz mit ungeklärter Ursache

Bei dem Unglück kamen der libysche Generalstabschef, Generaloberst Mohammed al-Haddad, vier weitere hochrangige Militärs sowie drei Mitglieder der Flugzeugbesatzung ums Leben. Die Maschine war rund 80 Kilometer südlich von Ankara abgestürzt.

Die Ursachen des Absturzes sind weiterhin unklar. Genau hier kommt der Auswertung der Blackbox eine entscheidende Rolle zu.

Was die Blackbox offenbaren soll

Die sogenannte Blackbox besteht aus zwei zentralen Komponenten: dem Flugdatenschreiber, der technische Parameter wie Höhe, Geschwindigkeit und Triebwerksdaten erfasst, sowie dem Cockpit Voice Recorder, der die Gespräche im Cockpit aufzeichnet.

In Deutschland übernimmt normalerweise die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig solche Analysen. Im vorliegenden Fall jedoch wird diese Aufgabe nun Großbritannien zufallen.

Fazit: Vertrauen durch Neutralität

Die Entscheidung, Großbritannien mit der Analyse zu beauftragen, soll mögliche politische Spekulationen vermeiden und das Vertrauen in die Untersuchung stärken. Erst die Auswertung der Blackbox dürfte klären, ob technisches Versagen, menschliches Fehlverhalten oder äußere Einflüsse zum Absturz geführt haben.

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