US-Ermittlungen werfen Fragen zu deutschem Presseausweis von Ghislaine Maxwell auf

US-Bundesbehörden haben im Rahmen neuer Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein Hinweise entdeckt, wonach
Ghislaine Maxwell, die verurteilte Komplizin des verstorbenen Finanzmagnaten, im Besitz eines
internationalen Presseausweises aus Deutschland gewesen sein soll.

Jeffrey Epstein war im Jahr 2019 während eines laufenden Strafverfahrens wegen des Aufbaus eines weitreichenden
Netzwerks zur sexuellen Ausbeutung minderjähriger Mädchen tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden.
Maxwell, Tochter des verstorbenen Medienunternehmers Robert Maxwell, spielte laut Gericht eine zentrale Rolle
bei der Organisation und Vertuschung der Taten.

Presseausweis Teil freigegebener Ermittlungsakten

Die neuen Erkenntnisse stammen aus umfangreichen Ermittlungsunterlagen des US-Justizministeriums, die Ende Januar
für die Öffentlichkeit freigegeben wurden. In den Dokumenten befindet sich eine Kopie eines Presseausweises,
der von einer deutschen Journalistenorganisation ausgestellt worden sein soll.

Demnach handelte es sich um einen Ausweis des internationalen Journalistenverbandes. Unter dem Namen von Maxwell
war der Hinweis „DJU in Ver.di, Germany“ vermerkt, was auf eine Verbindung zur Deutschen Journalisten-Union
innerhalb der Gewerkschaft Ver.di hindeutet.

Irritationen über journalistische Tätigkeit

Der auf den Namen „Marion Ghislaine Noel Maxwell“ ausgestellte Ausweis enthielt ein Lichtbild
und war bis zum 15. September 2017 gültig. Dies sorgt für erhebliche Irritationen, da solche
Presseausweise üblicherweise ausschließlich an aktiv tätige Journalistinnen und Journalisten vergeben werden.

Öffentlich bekannt ist jedoch keine journalistische Tätigkeit Maxwells, weder in Deutschland noch international.
Gerade dieser Umstand hat innerhalb medialer und politischer Kreise zahlreiche Fragen ausgelöst.

Nutzung als Identitätsnachweis in den USA

Nach Angaben der Ermittler nutzte Maxwell den Presseausweis gemeinsam mit einem britischen Führerschein als
Identitätsnachweis in einer Filiale eines internationalen Logistikunternehmens in Boston.
Diese Dokumente wurden später Teil der offiziellen Ermittlungsakten im Epstein-Komplex.

Ob Maxwell tatsächlich Mitglied einer deutschen Journalistenorganisation war, bleibt bislang unklar.
Vertreter der zuständigen Gewerkschaft erklärten, dass man grundsätzlich keine Auskünfte über individuelle
Mitgliedschaften erteile.

Keine Antragsdaten mehr verfügbar

Da der Presseausweis bis 2017 gültig war, gehen die Ermittler davon aus, dass er zwischen 2015 und 2016
ausgestellt wurde. Entsprechende Antragsunterlagen seien jedoch aufgrund abgelaufener Aufbewahrungsfristen
nicht mehr verfügbar.

Verurteilung und neue Aktenveröffentlichungen

Ghislaine Maxwell wurde im Jahr 2020 festgenommen und 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger
schuldig gesprochen. Sie verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe in den Vereinigten Staaten.

Am 31. Januar kündigte das US-Justizministerium zudem die Veröffentlichung von mehr als
drei Millionen weiteren Dokumenten im Zusammenhang mit den Epstein-Ermittlungen an.

Die Akten enthalten die Namen zahlreicher international bekannter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft
und Kultur, was dem Fall weiterhin große politische und gesellschaftliche Brisanz verleiht.

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