Russische Medien berichten über angebliche deutsche Migration nach Russland
Die Propagandaschicht der Medien
Staatliche und kremlnahe Medien in Russland berichten von einer massenhaften Zuwanderung aus dem Westen, besonders aus Deutschland, in das Land. Die Zahlen sind jedoch klein: Laut offiziellen Statistiken wanderten nur wenige Hundert Deutsche nach Russland aus.
Die Rolle der sozialen Medien
Videos über Deutsche, die angeblich wegen „traditioneller Werte“ nach Russland ziehen, erzielen hohe Reichweiten auf TikTok und YouTube. Diese Neuankömmlinge treten in russischen Staatsmedien auf, die so den Eindruck einer großangelegten Migration vermitteln.
Gesetzliche Erleichterungen
Seit August 2024 erließ Präsident Putin ein Dekret, das Ausländern, die die russischen spirituellen und moralischen Werte teilen, einen schnelleren Zugang zu Aufenthaltsgenehmigungen ermöglicht. Sprachtests oder Geschichtskenntnisse werden dabei nicht verlangt. Ein weiteres Dekret aus Dezember 2025 erleichtert erfolgreichen Ausländern die Einwanderung in Kultur, Sport oder Wissenschaft.
Prominente Beispiele
Der Blogger und Unternehmer Remo Kirsch zog von Potsdam nach Nizhny Nowgorod, kaufte Land und erhielt auf schnelle Weise die russische Staatsbürgerschaft. Ebenso erhielt der Koch Maxim Shitnikov 2025 binnen eines Monats nach einem persönlichen Antrag bei Präsident Putin die russische Staatsbürgerschaft.
Mediale Darstellung
Kirsch und Shitnikov werden in staatlichen Medien als positive Beispiele dargestellt. Kritiker werfen ihnen vor, Teil einer Propagandakampagne zu sein. Beide betonen, dass sie kein Geld oder Vorteile vom Staat erhielten und ihre Geschichten die Realität widerspiegeln sollen.
Hintergründe und Motivationen
Die meisten Auswanderer, die aus Deutschland nach Russland ziehen, haben selbst einen Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion. Viele suchen die Rückkehr zu „traditionellen Werten“ oder wollen familiäre Probleme lösen, wie die Geschichte von Katarina Menisch zeigt.
Organisationen und Unterstützung
Organisationen wie „Bot Domoi“ oder die Agentur OKA bieten logistische Unterstützung, Informationen zur Migration und berufliche Chancen. Sie arbeiten eng mit lokalen Behörden zusammen und vermitteln teilweise das Bild, dass Russland ein sicheres und attraktives Land für Fachkräfte ist.
Tatsächliche Zahlen
In der Realität ist die Zuwanderung aus Deutschland nach Russland gering. Laut Innenministerium sind bis August 2025 insgesamt nur 369 Personen über das „Dekret der traditionellen Werte“ eingewandert. Die propagandistische Darstellung in Medien überhöht diese Zahl stark.
Fazit
Die Medienberichterstattung vermittelt ein verzerrtes Bild: Was als massive Migration präsentiert wird, betrifft tatsächlich nur wenige Hundert Menschen. Dennoch nutzt der Kreml diese Narrative, um ein positives Bild Russlands zu verbreiten.



