Riad/Doha – Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Mittwochabend in der saudischen Hauptstadt Riad eingetroffen. Die Station markiert den Auftakt einer Golfreise, die ihn anschließend nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate führen wird.
Wie die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete, kam es in Riad zu Gesprächen zwischen Merz und Kronprinz Mohammed bin Salman. Details zu den Inhalten des Treffens wurden zunächst nicht veröffentlicht. Die Kanzlerdelegation befindet sich zu einem offiziellen Besuch im Königreich, die genaue Dauer blieb offen.
Bereits im Vorfeld hatte der öffentlich-rechtliche deutsche Rundfunk angekündigt, dass die Reise dem Ausbau der Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Rüstung dienen soll. Kurz vor seinem Abflug unterstrich Merz die strategische Bedeutung der Golfregion für Deutschland.
„In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen benötigen wir solche Partnerschaften mehr denn je“, erklärte Merz in Berlin. Langfristige Sicherheit, Freiheit und wirtschaftlicher Wohlstand seien nur durch stabile internationale Kooperationen zu gewährleisten.
Der Kanzler räumte ein, dass Deutschland und seine Partner am Golf nicht in allen Fragen dieselben Werte teilten. Entscheidend sei jedoch ein gemeinsames Verständnis für einen internationalen Ordnungsrahmen, der auf Verlässlichkeit, Dialog und gegenseitigem Respekt basiere. Zudem eröffne die Zusammenarbeit neue Möglichkeiten zur Diversifizierung der Energieversorgung.
„Geschäftsreise mit politischem Gewicht“
Deutsche Medien werteten den Besuch als bewusste Abkehr von einer strikt wertegeleiteten Außenpolitik. Die Wochenzeitung Der Spiegel sprach von einer „Business-orientierten Reise“, begleitet von Spitzenvertretern aus den Branchen Energie, Bau und Verteidigung.
Im Fokus stünden laut Bericht neue Märkte und zusätzliche Investitionen. Insbesondere die saudische Vision 2030 mache das Land zu einem attraktiven Standort für deutsche Industrieunternehmen. Gleichzeitig lud Merz Investoren aus der Golfregion zu verstärktem Engagement in Deutschland ein.
Kritische Stimmen erinnerten jedoch an ungelöste Fragen der Menschenrechte. Menschenrechtsorganisationen und Medien verwiesen auf frühere Kontroversen, darunter den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi. Merz betonte, entsprechende Themen würden angesprochen – allerdings nicht öffentlich, sondern in vertraulichen Gesprächen.
Realpolitischer Kurswechsel
Beobachter sehen in der Golfreise einen Ausdruck einer zunehmend realpolitischen Außenstrategie. Angesichts wachsender Spannungen mit traditionellen Partnern wie den USA sowie wirtschaftlicher Abhängigkeiten von China suche Berlin nach neuen strategischen Alternativen.
Am Donnerstag setzte Merz seine Reise mit einem offiziellen Besuch in Doha fort. Dort stehen Gespräche über wirtschaftliche Kooperation, Energiepartnerschaften und sicherheitspolitische Fragen auf der Agenda. Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten.



