Europas Sicherheit: Realistische Strategie statt Illusionen
Berlin – Die Debatte über Europas Fähigkeit, sich in einer sich wandelnden Welt eigenständig zu verteidigen, gewinnt an Dringlichkeit. Sicherheitsexpertinnen warnen vor schnellen Lösungen und plädieren für eine langfristige, realistische Strategie.
Abhängigkeit von Washington: Ein Risiko für Europa
Die Sicherheits-Expertin Jana Böglerin betont, dass ein vollständiger Rückgriff auf die USA nicht länger verlässlich ist. Die Unsicherheiten nach wiederholten Aussagen von Präsident Donald Trump haben Europas Abhängigkeit von Washington deutlich infrage gestellt. Europa müsse geduldig seine militärische Eigenständigkeit aufbauen.
Laut Böglerin, Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations (ECFR), benötigt Europa mindestens fünf Jahre, um die militärische Abhängigkeit zu reduzieren, während kritische Bereiche wie Aufklärung, Satelliten, integrierte Luftabwehr und strategischer Lufttransport zehn Jahre oder länger brauchen könnten.
Fehlende strategische Schlüsselkompetenzen
Das Hauptproblem sei nicht die Zahl der Soldaten oder Größe der Armeen, sondern der Mangel an „strategischen Schlüsselkompetenzen“, die Europa aktuell weitgehend den USA überlässt. Ohne diese Fähigkeiten bleibe jede Diskussion über militärische Unabhängigkeit bloß theoretisch.
Pragmatischer Ansatz statt Schnellschüsse
Böglerin lehnt die Idee eines europäischen Einheitsheeres ab, da politische, kulturelle und militärische Unterschiede eine Umsetzung erschweren. Auch nukleare Optionen betrachtet sie kritisch: Eine gemeinsame europäische Bombe sei unrealistisch, und nationale Alleingänge gefährlich. Stattdessen plädiert sie für eine koordinierte Rolle von Frankreich und Großbritannien im europäischen Abschreckungsrahmen.
Politische Initiativen und Dialog
EU-Politiker wie Manfred Weber, Vorsitzender der EVP, fordern konkrete Gespräche über eine europäische Nuklear-Machtprojektion. Präsident Emmanuel Macron hatte bereits 2020 Deutschland und Partnern seine nukleare Abschreckung angeboten, was nun angesichts der US-Entwicklungen erneut relevant wird.
Fazit
Die militärische Unabhängigkeit Europas bleibt ein langfristiges Projekt, das Geduld, klare Strategien und den schrittweisen Aufbau von Verteidigungsfähigkeiten erfordert. Schnelllösungen bieten keine Sicherheit, vielmehr sind pragmatische, koordinierte Ansätze notwendig.
Weiterführende Links
Friedrich Merz und europäische Machtpolitik
AfD & Martin Sellner: Radikalisierung in Deutschland
Trump, Putin und die Ukraine-Krise



