Iranische Opposition im Visier: Teherans Geheimdienste in Deutschland aktiv

Berlin – Iranerinnen und Iraner im Ausland stehen zunehmend im Fokus der Geheimdienste des iranischen Mullah-Regimes. Nach Einschätzung des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz betreibt Teheran in Europa – insbesondere in Deutschland – eine intensive Überwachung oppositioneller Kreise.

Seit Beginn der massiven Protestbewegungen im Iran kommt es auch in Deutschland regelmäßig zu Demonstrationen gegen das islamische Regime, etwa vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Diese Proteste bleiben den iranischen Sicherheitsbehörden nicht verborgen.

Hunderttausende Iraner leben in Deutschland

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2024 rund 295.000 Menschen iranischer Herkunft in Deutschland. Bereits 2021 besaß etwa die Hälfte von ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit. Viele Exil-Iraner sorgen sich nicht nur um ihre eigene Sicherheit, sondern auch um das Schicksal ihrer Familienangehörigen im Iran.

Besonders gefährdet: Politik, Medien und Aktivisten

Als besonders gefährdet gelten Personen, die politisch aktiv sind oder im Journalismus arbeiten. Laut Verfassungsschutz werden sie häufig zu Zielscheiben iranischer Nachrichtendienste, die als hochaktiv und gefährlich eingestuft werden.

In den jährlichen Berichten der Behörde heißt es regelmäßig: „Die Bekämpfung oppositioneller Gruppen im In- und Ausland steht im Zentrum der iranischen Geheimdienstaktivitäten.“ Das Regime sehe diese Gruppen als existenzielle Bedrohung seiner Macht.

Überwachung von Demonstrationen

Wer öffentlich gegen das iranische Regime protestiert – etwa vor der iranischen Botschaft in Berlin – muss laut Sicherheitsbehörden damit rechnen, überwacht oder dokumentiert zu werden.

Entführungen und gezielte Tötungen

Besonders alarmierend ist die Einschätzung des Verfassungsschutzes, wonach Spionageaktivitäten häufig der Vorbereitung staatsterroristischer Aktionen dienen. Dazu zählen Entführungen oder sogar gezielte Tötungen im Ausland.

Unabhängige Zahlen über Verhaftungen und Todesopfer im Iran sind schwer überprüfbar. Menschenrechtsorganisationen gehen jedoch von mehreren Tausend Getöteten aus.

Der Fall Dschamschid Scharmahd

Ein besonders drastisches Beispiel ist der Fall des deutsch-iranischen Staatsbürgers Dschamschid Scharmahd. Er wurde 2020 während einer Reise in eine Nachbarregion des Iran entführt und starb vier Jahre später in iranischem Gewahrsam – zunächst hieß es, er sei hingerichtet worden.

Der Verfassungsschutz erkennt darin ein systematisches Vorgehen Teherans: Westliche Staatsbürger würden gezielt unter konstruierten Vorwürfen festgenommen und als politische Geiseln missbraucht.

Deutschland schließt iranische Konsulate

Als Reaktion auf Scharmahds Tod schloss die Bundesregierung im Jahr 2024 die iranischen Generalkonsulate in Frankfurt, München und Hamburg. Seitdem unterhält Iran in Deutschland nur noch seine Botschaft in Berlin.

Damit soll es dem Regime erschwert werden, Geheimdienstmitarbeiter unter diplomatischer Tarnung einzusetzen – eine international verbreitete Praxis.

Cyberangriffe und digitale Einschüchterung

Neben klassischer Spionage setzt Teheran zunehmend auf Cyberangriffe. Laut Verfassungsschutz sind diese Aktivitäten mindestens seit 2013 nachweisbar. Ziel sind wirtschaftliche Informationen ebenso wie die Einschüchterung von Regimekritikern, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten.

Darüber hinaus gelten auch israelische und jüdische Einrichtungen in Deutschland als potenzielle Ziele. Hintergrund ist die konsequente Ablehnung des Existenzrechts Israels durch das iranische Regime.

Brandanschlag mit iranischem Hintergrund

Im November 2022 kam es zu einem Brandanschlag auf eine Schule in der Nähe einer Synagoge in Bochum. Ein Jahr später verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf den Täter zu mehreren Jahren Haft.

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Tat auf eine iranische staatliche Stelle zurückzuführen sei – ein alarmierender Befund für die Sicherheitslage in Deutschland.

Fazit: Anhaltende Bedrohung im Exil

Die Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden zeichnen ein klares Bild: Die Bedrohung durch iranische Geheimdienste endet nicht an den Landesgrenzen. Für viele Iraner im deutschen Exil bleibt der politische Einsatz für Freiheit und Menschenrechte mit erheblichen Risiken verbunden.


Weiterführende Analysen:

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein