Showdown in Florida: Selenskyj trifft Trump – Europa und Putin unter Druck
Die diplomatische Bühne ist bereitet.
Mit dem Eintreffen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den USA richten sich die Blicke der internationalen Gemeinschaft auf ein Treffen, das als richtungsweisend für den weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges gilt.
Vorverlegtes Treffen mit Signalwirkung
Am Sonntag soll Selenskyj in Florida mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zusammenkommen. Überraschend kündigte das Weiße Haus an, dass das Gespräch im Anwesen Mar-a-Lago zwei Stunden früher als geplant stattfinden werde – um 18.00 Uhr GMT. Offizielle Gründe für die Vorverlegung wurden nicht genannt.
Das Treffen gilt als zentraler Moment für die Diskussion über den überarbeiteten amerikanischen Friedensplan, den Kiew zuletzt angepasst hatte und nun zur Debatte stellen will.
Selenskyjs klare Linien: Kein Diktatfrieden
Bereits vor seiner Abreise machte Selenskyj deutlich, dass die Ukraine keinen „aufgezwungenen Frieden“ akzeptieren werde. In einer Stellungnahme betonte er, dass es für sein Land und sein Volk nicht verhandelbare rote Linien gebe.
Diese Haltung folgt auf irritierende Aussagen Trumps gegenüber dem Magazin Politico. Dort erklärte Trump, Selenskyj besitze in Fragen territorialer Zugeständnisse „nichts, solange ich nicht zustimme“ – eine Aussage, die in Kiew mit Sorge aufgenommen wurde.
Trump gibt sich optimistisch – auch mit Blick auf Putin
Trotz der Spannungen zeigte sich Trump selbst zuversichtlich. Er rechne mit einem guten Verlauf der Gespräche – sowohl mit Selenskyj als auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin, mit dem er „bald sprechen“ wolle.
Diese Aussagen unterstreichen Trumps Anspruch, erneut als zentraler Vermittler im Ukraine-Konflikt aufzutreten.
Europa in Wartestellung
Parallel zu den Vorbereitungen in den USA fand ein hochrangiges virtuelles Treffen statt, an dem Vertreter aus zwölf europäischen Staaten, Kanada, der EU-Kommission und der NATO teilnahmen – gemeinsam mit Selenskyj.
Der Tenor war eindeutig: Europa erneuerte seine volle Unterstützung für die Ukraine und betonte die enge Abstimmung mit Washington, um einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ zu erreichen, wie der Sprecher der deutschen Bundesregierung erklärte.
Macrons Initiative und europäische Geschlossenheit
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron plant für Januar ein weiteres Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ in Paris – einer Gruppe von Staaten, die Kiew militärisch und politisch besonders stark unterstützen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, alle diplomatischen Bemühungen zielten auf ein gemeinsames Ziel: einen gerechten Frieden, der die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine wahrt.
Putins Drohkulisse
Währenddessen verschärft Moskau den Ton. Präsident Wladimir Putin erklärte laut der russischen Nachrichtenagentur TASS, Russland werde seine Ziele notfalls mit militärischer Gewalt erreichen, sollte Kiew keinen Frieden wollen.
Diese Worte folgten auf massive russische Angriffe mit Drohnen und Raketen. Selenskyj entgegnete, Russland wolle den Krieg fortsetzen, während die Ukraine nach Frieden strebe.
Kämpfe dauern an – Wahrheit bleibt unklar
Unabhängig von den diplomatischen Manövern toben die Kämpfe weiter. Russland meldete Geländegewinne in den Regionen Donezk und Saporischschja. Die ukrainische Armee dementierte diese Angaben und sprach von anhaltend schweren Gefechten, insbesondere rund um Holjajpole.
Eine unabhängige Überprüfung der Lage bleibt schwierig, da beide Seiten den Zugang zu verlässlichen Informationen stark einschränken.
Florida als Wendepunkt?
Das Treffen in Florida könnte sich als entscheidender Moment erweisen: zwischen Diplomatie und Eskalation, zwischen Friedensoption und Fortsetzung des Krieges. Ob Selenskyj und Trump einen gemeinsamen Nenner finden, dürfte weit über die Grenzen der Ukraine hinaus Wirkung zeigen.



